Lexikon der Neurowissenschaft

Angst

Angst bei Tieren:

Werden Angst und Furcht behavioral definiert, kann man sie nicht nur höheren Wirbeltieren einschließlich des Menschen zuschreiben, sondern auch z.B. Würmern, Insekten und Weichtieren. Angst und Furcht sind jedoch bei Wirbeltieren am besten untersucht und werden ihnen über einen Analogieschluß auch am ehesten als Emotion zugestanden. - Attrappenversuche von Konrad Lorenz haben ergeben, daß vielen Tieren ein Feindschema angeboren ist. Chemische Schreckstoffe lösen eine spezifische Schreckreaktion aus. Das Tier lebt in ständiger ängstlicher Bereitschaft, und diese Angst ist in höchstem Maße lebenswichtig. Lorenz war davon überzeugt, daß seit "Äonen immer in der Naturgeschichte diejenigen die besten Überlebenschancen hatten, die sich am meisten fürchteten". - Bei vielen freilebenden Tieren scheint die Fluchtbereitschaft dauernd aktiviert, während dies für Beuteerwerb und Sexualität nur periodisch zutrifft. Selbst im Schlaf sind Tiere für angstauslösende Reize offen. Es wird diskutiert, daß die Ängstlichkeit einer Art jeweils ihrer spezifischen Gefährdung durch Freßfeinde entspricht. Bei zahlreichen Spezies ist Angst anzeigendes Verhalten fast immer zu beobachten, z.B. als Dauerwachsamkeit, Scheuen, Sichern, als Flucht oder in Warnrufen. Selbst Trennungsangst wird bei Jungtieren (wie beim Menschen) beobachtet, was darauf hinweist, daß körperliche Nähe zum Elterntier "gesucht" und Trennung hiervon "gefürchtet" wird. In Situationen stärkster Bedrohung tritt bei manchen Arten eine Angstlähmung ein, die mit einer Akinese (Totstellreflex) einhergeht.

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