Lexikon der Neurowissenschaft

Angst

unbewußtes Angstgedächtnis:

Daß das Angstgedächtnis unabhängig ist vom expliziten Gedächtnis und unbewußt wirksam werden kann, hat erstmals der Genfer Arzt und Psychologe Edouard Claparède (1873-1940) Anfang des 20. Jahrhunderts erkannt. Er behandelte eine Patientin mit anterograder Amnesie, die sich keine neuen Ereignisse mehr merken konnte. Bei jeder Begegnung mußte er sich ihr neu vorstellen. Einmal hielt er bei der Begrüßung einen Reißnagel in der Handfläche verborgen, was bei der Patientin Schmerz und Schreck auslöste. Beim nächsten Treffen weigerte sie sich, dem Arzt die Hand zu schütteln, obwohl sie dafür keine vernünftige Erklärung geben konnte. Claparède schloß daraus, daß sich hier ein zweites, unbewußtes Gedächtnis warnend bemerkbar gemacht hatte, obwohl sich die Patientin an den Grund ihrer Aversion nicht mehr erinnern konnte.

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