Lexikon der Neurowissenschaft

Netzhaut

Ontogenese:

Die Netzhaut entwickelt sich aus der embryonalen Augenblase und ist folglich neuroektodermalen Ursprungs. In der frühen Retinogenese kommt es zu Wellen neuronaler Aktivität im Netzwerk retinaler Neurone noch bevor die Photorezeptoren gebildet werden. Diese frühe Aktivität im Netzwerk retinaler Neurone wird also nicht durch Lichtereignisse initiiert, sondern erfolgt spontan, und sie fließt nicht vorwiegend senkrecht zu den retinalen Schichten, wie dies in der reifen Retina der Fall ist, sondern horizontal zu ihnen. Die Wellen spontaner neuronaler Aktivität sorgen dafür, daß die Wahrscheinlichkeit einer zeitlich korrelierten Aktivität von zwei retinalen Ganglienzellen mit ihrer räumlichen Nähe zunimmt. Dieses Muster zeitlich korrelierter Aktivität in den Axonen und Synapsen der Ganglienzellen ist von entscheidender Bedeutung für die Ausbildung topographischer "Karten" nicht nur in den thalamischen und mesencephalen Zielgebieten des Opticus, sondern im ganzen visuellen System einschließlich des visuellen Cortex.

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