Lexikon der Neurowissenschaft

Neurotoxine

Neurotoxin Vorkommen Toxizität Therapie
Bakterien-

toxine
Botulinustoxin Clostridium botulinum Doppelsehen, Schluckbeschwerden, Sprachschwierigkeiten, Lähmungen der quergestreiften Muskulatur symptomatisch und Gabe von Antitoxin
Diphterietoxin Corynebacterium diphtheriae Gewebeschädigungen im Mund und Rachenraum, Herzarrhythmien, Lähmungen der Extremitäten Prophylaxe: Impfung mit abgeschwächtem Toxin,

akut: Antitoxin
Tetanustoxin Clostridium tetani tonische Krämpfe der quergestreiften Muskulatur, im Gesicht beginnend. Tod durch Atemlähmung Prophylaxe: Impfung mit abgeschwächtem Toxin,

akut: Antitoxin
Tiergifte Conotoxin Kegelschnecke (Conus marmoreus) Sprachstörungen, Schluckbeschwerden, Parästhesien, Muskel- und Atemlähmung symptomatisch
Tetrodotoxin Kugelfisch (Fugufisch, Pufferfisch) Übelkeit, Erbrechen, Parästhesien im Mundraum, Muskel- und Atemlähmung sofortige Magenspülung, ansonsten symptomatisch
Latrotoxin Schwarze Witwe (Kugelspinne, Latrodectus mactans) Übelkeit, Erbrechen, geschwollene Augen, Psychosen, Muskelkrämpfe spezifische Antiseren, Methocarbamol
Samandarin Feuersalamander (Salamandra salamandra) Hypertonie, zentrale Atemlähmung symptomatisch
Batrachotoxin Baumsteigerfrosch (Dendrobates histrionicus) Muskel- und Atemlähmung, Herzstillstand bei i.v. Giftaufnahme (von den Indianern Kolumbiens als Pfeilgift verwendet) symptomatisch
α, β-Bungarotoxin verschiedene Giftschlangen starrer Blick durch Lähmung der Augenmuskulatur, Atem- und Muskellähmung Antitoxin
Pflanzen-

gifte
Aconitin Blauer Eisenhut (Aconitum napellus) Brennen im Mund, Kribbeln in den Fingern und Zehen, Koliken, Bradykardie, Herzstillstand, Atemlähmung Flüssigkeitszufuhr und Magenspülung mit Kaliumpermanganat sowie Zufuhr von 10 g Kohle, Atropin
Atropin Nachtschattengewächse (Solanaceae), z.B. Tollkirsche, Stechapfel, Bilsenkraut Sprachstörungen, Mydriasis, Tachykardie, Halluzinationen, Koma, Atemlähmung Erbrechen, Magenspülung mit paraffingeöltem Schlauch, Physostigmin
Coniin Gefleckter Schierling (Conium maculatum) Lähmung der Zunge, Erbrechen, Kälte und Gefühlslosigkeit, Atemlähmung Erbrechen auslösen, Magenspülung mit Kaliumpermanganat sowie Zufuhr von 10 g Kohle
Colchicin Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) Schluckbeschwerden, Lebernekrose, Koliken, Schock, Myopathie, Krämpfe, aszendierende Lähmungserscheinungen, Atemnot Erbrechen auslösen, Magenspülung, Duodenalsonde im Zwölffingerdarm zur Unterbrechung des enterohepatischen Kreislaufs.
Schwer-

metalle
Quecksilber Verwendung: Antiseptika, Dentalamalgam, in der Elektrotechnik als Katalysator Bronchitis, Atemnot, Tremor, Erethismus, Parästhesien, Schädigung des ZNS DMSA (Dimercaptosuccinat), DMPS (Dimercaptopropansulfonat)
Blei Verwendung: Batterien, Herstellung von Farben, Schießblei, Ballastgewichte etc. Bleisaum an Zähnen und Zahnfleisch, Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit, Apathie, Encephalopathie, Lähmungen der Arme Ca/NA-EDTA, D-Penicillamin, British Anit-Lewisit (BAL), DMSA
Thallium Verwendung: Elektroindustrie, chemische Industrie (z.B. Feuerwerkskörper), Rodentizid Sehstörungen, Sensibilitätsstörungen, Psychosen, Polyneuropathie, Encephalopathie Kolloidales Eisen(III)-hexacyanoferrat (Berliner Blau)
chemische Kampf-

stoffe
Sarin, Soman, Tabun, VX Einsatz in Sprengköpfen chemischer Waffen Bronchospasmus, Sehstörungen, Unruhe, Tremor, Bewegungsstörungen, epileptische Anfälle, Lähmung von Muskulatur und Atmung Atropin, Diazepam, Oxime, künstliche Beatmung, Bronchialtoilette
Chinuclidinylbenzilat Einsatz in Sprengköpfen chemischer Waffen Sehstörungen, Mundtrockenheit, Tachykardie, Halluzinationen mit Delir Physostigmin

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