Lexikon der Neurowissenschaft

Ontogenese des Nervensystems

Die Embryonalentwicklung (Keimentwicklung, Keimesentwicklung, Embryogenese, Embryogenie) ist die erste Phase in der Individualentwicklung eines Lebewesens; bei höheren Wirbeltieren (Säugern) wird sie unterteilt in die Embryonalentwicklung im engeren Sinne und die Fetalentwicklung (Entwicklungsabschnitt nach dem Auftreten von ordnungs- oder gattungsspezifischen Organisationsmerkmalen). Die Embryonalentwicklung ist ein komplexes Wirkgefüge von begrifflich abtrennbaren Vorgängen, wie Zellteilung, Musterbildung, Gestaltungsbewegungen und Zelldifferenzierung (Differenzierung). Die Embryonalentwicklung beginnt mit der Furchung, die die Eizelle über ein (häufig fehlendes) Morula-Stadium (lockerer Zellhaufen) in einen Blasenkeim (Blastula) verwandelt. Durch Einstülpung der Blastulawand an einer Stelle (Invagination) oder durch Delamination und andere Prozesse entsteht der zunächst zweischichtige Becherkeim (Gastrula); seine Organisationsstufe entspricht derjenigen der Hohltiere. Bei den Bilateria wird der Keim im Laufe der Gastrulation dreischichtig. Darauf folgt die Organogenese, in der sich die einzelnen Organanlagen absondern und ausformen (Morphogenese). Im Verlauf der histologischen Differenzierung erlangen sie ihre Funktionsfähigkeit, und der Embryo kann das Juvenilleben beginnen.

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