Lexikon der Physik



Vakuum 2: Das Experiment, durch das Torricelli auf Anregung Galileis gezeigt hat, daß es luftleeren Raum geben kann: Ein gut 80 Zentimeter langes Rohr wird mit Quecksilber gefüllt, zugehalten, mit seiner Mündung in eine Schale mit Quecksilber getaucht und aufrecht gestellt. Wird die Öffnung des Rohres freigegeben, fließt Quecksilber aus ihm in die Schale. Aber nicht alles - der Quecksilberspiegel im Rohr kommt in (etwa) 76 Zentimeter Höhe über dem in der Schale zur Ruhe. Am Ende ist über dem Quecksilber im Rohr ein luftleerer Raum entstanden, an dem es zu hängen scheint. Tatsächlich hängt das Quecksilber nicht am luftleeren Raum, sondern wird vom äußeren Luftdruck, der auf dem Quecksilberspiegel lastet, getragen. Über die Natur des in der Abbildung als Vakuum bezeichneten Raumes läßt sich sicher nur soviel sagen, daß alles, was er außer Quecksilberdämpfen und ähnlichem enthalten sollte, nur durch das Quecksilber und/oder Glas in ihn hinein gekommen sein kann. Hören wir dazu den gläubigen Plenisten Leonhard Euler([13], S. 23): ›Dieser bloß scheinbare leere Raum ist gewiß mit Äther erfüllt, der ohne Schwierigkeiten hineinkommt.‹ Weil Wasser um den Faktor 13 spezifisch leichter ist als Quecksilber, entsprechen den 76 Zentimeter Standhöhe Quecksilber ungefähr 10 Meter Standhöhe Wasser. Der qualitative Unterschied der Ergebnisse von Empedokles und Torricelli beruht also einfach auf diesem quantitativen: Wäre der Hals der Klepshydra nur(!) gut 10 Meter lang gewesen, hätte Empedokles den von Torricelli entdeckten Effekt vorweg genommen.

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