Lexikon der Biologie



Bonobo



In einem bisher bei keiner anderen Tierart beobachteten Ausmaß nimmt bei Bonobos das Sexualverhalten bei Konflikten als Vermeidungsstrategie von Aggressionen eine zentrale Stellung ein. Nicht nur, daß die Bonobo-Weibchen fast ständig sexuell attraktiv, aktiv und somit interessant für Männchen sind, auch untereinander bezeugen sich die Weibchen ihre engen freundschaftlichen Bindungen durch das "Genito-Genital-Reiben" ("GG-Rubbing"; auffällig sind die nach vorn gerichteten Genitalien der Weibchen, die geschlechtliche Aktivitäten von Angesicht zu Angesicht erlauben) und setzen es auch ein, um auftretende Spannungen abzubauen. Die enge Beziehung zu gleichgeschlechtlichen Partnern und ursprünglich fremden Weibchen ermöglicht ihnen auch, sich gegen die körperlich stärkeren Männchen durchzusetzen. Konfliktsituationen, wie sie u. a. bei Fütterungen aufkommen, können aber auch zwischen den Geschlechtern oder zwischen zwei männlichen Tieren durch die versöhnliche Aktion des Genitalreibens oder das "Penisflechten" (Aneinanderreiben der erigierenden Penisse) verhindert oder – nach erfolgter aggressiver Auseinandersetzung, z. B. nach ernsthaften Dominanzstreitigkeiten der Männchen – wieder bereinigt werden. E.K.





[Drucken] [Fenster schliessen]