Lexikon der Biologie



Brachiopoden



Systematik:



Die Taxonomie der lebenden Arten ist unkompliziert. Bei fossilen Vertretern ist man aufgrund der ungenügenden Erhaltung auf die Bewertung der Hartteile angewiesen. Bei diesen täuscht eine äußerliche Ähnlichkeit manchmal eine Verwandtschaft vor, weshalb über die Einteilung fossiler Brachiopoden entsprechend unterschiedliche Ansichten existieren.

Die Unterklasse Inarticulata (Kambrium bis heute) besitzt eine organische Schale mit phosphatischer Substanz, mit Ausnahme der Calcitschalen bei den Craniacea Menke 1828. Die wohl ursprünglichste Ordnung Lingulida Waagen 1885 (Atremata Beecher 1891) mit den Lingulacea Menke 1828 und Obolella Walcott & Schuchert 1908 weist einen langen und muskulösen Stiel auf, die Acrotretida Kuhn 1949 (Neotremata Beecher 1891) einen kurzen Stiel oder gar keinen.

Bei der wesentlich vielfältigeren Unterklasse Articulata geschieht die Unterteilung in Ordnungen mit Hilfe des Schalenaufbaus, der Gehäuseform, Fehlen oder Ausbildung eines Brachidiums sowie durch dessen Beschaffenheit, Art der Cardinalia, des Schlosses, des Delthyriums, der Muskelansatzstellen und der Gefäßeindrücke (Pallialeindrücke). Die Ordnungen Palaeotremata Thomson 1927, Orthida Schuchert & Cooper 1932, Strophomenida Öpik 1934 (über 400 Gattungen!), Pentamerida Schuchert & Cooper 1931 (Pentamerus) und Spiriferida Waagen 1883 (Kambrium – unterer Jura) erlebten ihre Blütezeit im Ordovizium–Devon, die Rhynchonellida Kuhn 1949 und Terebratulida Waagen 1883 dagegen in der Trias und im Jura (Terebratula, Terebratulina; Ordovizium–heute). Mit ca. 1 Milliarde Jahren ist Lingulella montana aus der jungpräkambrischen Beltserie in Nordamerika der bisher älteste Brachiopode. Lingula und Crania überbrücken als lebende Fossilien praktisch unverändert rund 430 Millionen Jahre. Schloßtragende Gattungen sind wesentlich kurzlebiger.





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