Lexikon der Biologie



Chemotherapeutika



Mit den herkömmlichen Chemotherapeutika zur Krebsbekämpfung, den Cytostatika, können oft nicht die gewünschten Effekte erzielt werden. Der Einsatz der Chemotherapeutika wird in vielen Fällen durch Ausbildung einer Resistenz gegen ein wiederholt angewendetes Mittel beeinträchtigt. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der ständigen Neuentwicklung von Chemotherapeutika. Typische Abnormitäten in Genetik und Stoffwechsel von Krebszellen eignen sich für neue molekulare Behandlungsstrategien. Ziel der Forschung ist es, Substanzen zu finden, die gezielt die Signaltransduktion von Tumorzellen stören und somit die Proliferation dieser Zellen hemmen. Untersucht wurde die Wirkung von Etherlipiden, welche die Signaltransduktion in der Membran hemmen, von Substanzen, die Tyrosin-Kinasen hemmen oder die Funktion der Proteinkinase C beeinträchtigen. Quercetin, Tamoxifen (ein Antiöstrogen) oder Staurosporin z. B. sind effektive Hemmstoffe der Proteinkinase C. Bei der Behandlung hormonempfindlicher Tumoren (z. B. Brustkrebs) hofft man, mit Hormonen und Hormonantagonisten, z. B. Antiprogesteronen (z. B. RU 486, Onapriston), eine Hemmung des Tumorwachstums erreichen zu können. Auch Aromatasehemmer scheinen sich für die Tumortherapie zu eignen. In den USA ist es gelungen, eine neue Stoffgruppe (Di-Triazene) mit tumorhemmenden Eigenschaften zu entwickeln. Die Wirkung dieser Substanzen beruht auf einer Interaktion mit der DNA. Wachsende Kenntnisse über das Immunsystem lassen auf Wege hoffen, die körpereigene Abwehr gegen den Krebs einzusetzten (monoklonale Antikörper, Immuntoxin, Tumorimmunologie). Könnte man das Gefäßwachstum der Tumoren und damit die Zufuhr von Sauerstoff und Nährstoffen unterbinden, so wäre eine effektive Bekämpfung möglich. In klinischen Studien wurden bereits z. B. die Angiogenese-Hemmer (Angioinhibine) α-Interferon, TNP-470 (Analogon zum Antibiotikum Fumagillin) und Interleukin-12 getestet.

Nicht nur die Entwicklung neuer Substanzen, auch die Erforschung neuer Wege, diese Substanzen effektiv an die Krebszellen zu bringen, steht im Mittelpunkt des Interesses. Bei der lokoregionalen Chemotherapie werden die Medikamente direkt in ein den Tumor versorgendes Blutgefäß eingebracht, um eine lokal höhere Wirkstoffkonzentration zu erreichen, bei der intrakavitären Chemotherapie wird das Medikament lokal in einem Hohlorgan eingesetzt. Eine Reihe von Resistenzen gegen Chemotherapeutika beruht auf Membranveränderungen, die die Diffusion des Wirkstoffs in die Zelle verhindern. Aufgabe der Forschung ist es hier, neue Wege der Verabreichung des Medikaments zu finden, z. B. der Einschleusung mittels Endocytose der an wasserlösliche Polymere gekoppelten Wirkstoffe (sog. Biokonjugate). S.Kl.





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