Lexikon der Biologie



Corezeptoren



Ein Beispiel für einen positiv regulatorischen Corezeptor auf B-Lymphocyten ist CD19. CD19 liegt im Komplex mit dem Komplement-Rezeptor CR2 (CD21, Komplement) und einem Mitglied der Transmembran-4-Superfamilie (CD81) vor. Bindet ein bereits mit Komplement markiertes Antigen an den B-Zell-Rezeptor, so wird der CD19-Komplex über CD21 verbunden. CD19 wird daraufhin an Tyrosinresten (Tyrosin) phosphoryliert und bindet an die Lipid-Kinase PI3-K (Phosphatidylinositol-Metabolismus), die Tyrosin-Kinase Lyn und den GTP-Austauschfaktor Vav (Guanosintriphosphatasen). Diese drei Komponenten gelangen damit in räumliche Nähe zum aktivierten Antigen-Rezeptor und können dessen Signale verstärken. Im Vergleich zu nicht Komplement-markiertem Antigen reicht so eine 1000fach geringere Antigenmenge für die vollständige Aktivierung des B-Lymphocyten aus. Eine negativ regulatorische Wirkung haben die Corezeptoren CD22 und FcγRIIB. Beide rekrutieren nach Verbindung mit dem B-Zell-Rezeptor Tyrosin-Phosphatasen und Lipid-Phosphatasen, die einer Aktivierung der Zelle entgegenwirken.

Weniger gut aufgeklärt ist der molekulare Mechanismus von Corezeptoren auf T-Lymphocyten. Unmittelbar mit dem T-Zell-Rezeptor assoziiert sind die Moleküle CD4 bzw. CD8. Beide Corezeptoren binden an MHC-Moleküle (Histokompatibilitäts-Antigene) auf Antigen-präsentierenden Zellen (Antigen-Präsentation) außerhalb der Antigen-Bindungsstelle und werden so gleichzeitig mit dem T-Zell-Rezeptor verbunden. Sie verstärken über die konstitutiv assoziierte Tyrosin-Kinase Lck das Aktivierungssignal. Zur weiteren Aktivierung und zum Eintritt in den Zellzyklus benötigen T-Lymphocyten jedoch noch ein zweites Signal von den Antigen-präsentierenden Zellen. Dies erhalten sie über ihren Oberflächenmarker CD28, der an B7-Proteine (CD80, CD86) auf den Antigen-präsentierenden Zellen bindet. Interessanterweise exprimieren so aktivierte T-Lymphocyten daraufhin CTLA-4, einen negativ-regulatorischen Corezeptor. CTLA-4 bindet ebenfalls an die B7-Proteine, jedoch mit höherer Affinität, und bewirkt einen Stop des Zellzyklus. Vermutlich konkurrieren CD28 und CTLA-4 um ihre B7-Liganden, so daß deren Expressionsstärke auf der Antigen-präsentierenden Zelle über das endgültige Schicksal des T-Lymphocyten entscheidet. Aufgrund seiner möglichen Bedeutung für die Entstehung von Autoimmunkrankheiten und Leukämien wird dieses Regulationssystem zur Zeit (1999) stark erforscht. O.L.





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