Lexikon der Biologie



Corticotropin-releasing-Hormon



Im Verlauf einer Schwangerschaft wird bei Primaten das Corticotropin-releasing-Hormon (CRH) vermehrt in der Placenta gebildet und löst die Bildung anderer, geburtsvorbereitender Hormone aus. So wird in der fetalen Hirnanhangsdrüse die Bildung des adrenocorticotropen Hormons (ACTH) durch CRH stimuliert. Dieses stimuliert seinerseits den schmalen äußeren Bereich der fetalen Nebennieren zur Produktion von Cortisol, das die letzten Reifungsprozesse der fetalen Lunge herbeiführt. Das CRH der Placenta wie auch das ACTH der Hirnanhangsdrüse stimulieren außerdem den inneren Bereich der fetalen Nebenniere zur Produktion des Steroidhormons Dehydroepiandrosteronsulfat (Dehydroepiandrosteron), das in der Placenta zum für die Geburt notwendigen, u. a. kontraktionsbegünstigenden Östrogen umgebaut werden kann. CRH ist also in der Lage, die Entwicklung des Fetus (Lungenreife) mit dem Termin der Geburt (Bereitstellung von Östrogen) zu koordinieren.

Neben anderen Faktoren wie Streß oder Infektionen bestimmt CRH den zeitlichen Ablauf der Schwangerschaft und den Geburtstermin (Geburt) mit, was auch anhand von Verlaufsmessungen des CRH-Spiegels belegt werden kann. Schon ab der 15. Schwangerschaftswoche steigt der CRH-Spiegel an, ein Maximum wird um den Geburtstermin erreicht. Bei Frauen, deren Kind 3–6 Wochen zu früh auf die Welt kam, fand man schon im ersten Drittel der Schwangerschaft erhöhte Werte. Umgekehrt zeigten Frauen, deren Kind 2–3 Wochen nach dem errechneten Termin geboren wurde, auffallend niedrige CRH-Werte. Ein entsprechender Hormontest könnte in Zukunft möglicherweise Aussagen über den Schwangerschaftsverlauf liefern.

Bei Schafen und den meisten anderen Säugetieren entstammt das CRH nicht der Placenta, sondern wird etwa ab der Mitte der Tragzeit vom fetalen Hypothalamus gebildet. Dieses CRH stimuliert die Freisetzung von ACTH, welches seinerseits die Produktion von Cortisol in der fetalen Nebennierenrinde (zur Herbeiführung der Lungenreife) bewirkt. Die Placenta der Schafe enthält – im Gegensatz zur Primatenplacenta – Enzyme, die auf das gebildete Cortisol reagieren und daraufhin Progesteron in Östrogen umwandeln, das dann letztlich den Geburtsvorgang einleitet. S.Kl.





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