Lexikon der Biologie



Curare



Man unterscheidet je nach Gewinnung, Herstellung und Aufbewahrung Tubo-Curare (Bambus-Curare, aus Chondodendron-Arten, in Bambusrohren aufbewahrt), Topf-Curare (aus Chondodendron-Arten, Aufbewahrung in irdenen Töpfen) und Calebassen-Curare (aus Strychnos-Arten, in ausgehöhlten Kürbissen gelagert). Die toxischen Inhaltsstoffe des Curare (Curarealkaloide) werden in zwei Gruppen unterteilt: Die Alkaloide von Topf-Curare und Tubo-Curare besitzen Dimerstruktur und leiten sich von Benzylisochinolin ab (Bis-Benzylisochinolinalkaloide); Hauptalkaloide sind d-Tubocurarin (Tubocurarinchlorid) und Curarin. Die Alkaloide des Calebassen-Curare gehören meist dem Strychnin-Typ, seltener dem Yohimbin-Typ an; einzelne Vertreter sind Maracurin, C-Toxiferin, C-Dihydroxytoxiferin, Alcuroniumchlorid (Allylderivat des Toxiferins), C-Curarin und C-Calebassin; die besonders toxischen Verbindungen dieser Gruppe besitzen ebenfalls Dimerstruktur.

Unter den Curarealkaloiden zeigen nur diejenigen die typische Pfeilgiftwirkung, die zwei quartäre Stickstoffatome im Molekül enthalten: Tubocurarin, C-Toxiferin, C-Dihydroxytoxiferin und C-Curarin. Sie wirken als kompetitive Antagonisten des Acetylcholins und blockieren dessen Rezeptorstellen (Acetylcholinrezeptor) an der postsynaptischen Membran. Als Folge davon ist die Depolarisation der postsynaptischen Membranen und dadurch wiederum die Kontraktion der quergestreiften Muskulatur blockiert. Bei den auftretenden Lähmungen werden nacheinander die Muskeln in den Beinen und Armen, an Kopf, Rumpf und Brustkorb bewegungsunfähig; der Tod tritt schließlich durch Atemlähmung ein; der Herzmuskel (Herzmuskulatur) ist von der Lähmung nicht betroffen. Medizinisch werden Curare und Curareabkömmlinge (Tubocurarin und der Toxiferinabkömmling Alcuronium) als Muskelrelaxantien bei Operationen im Bauch- und Thoraxraum (nur bei gleichzeitiger Intubation und künstlicher Beatmung) angewendet, da sie eine starke Erschlaffung der peripheren Muskulatur ermöglichen und so das eigentliche Narkotikum (Narkotika) relativ schwach dosiert werden kann; außerdem dient Curare zur Behandlung des Wundstarrkrampfes und wird bei der Elektrokrampftherapie eingesetzt. Im Magen-Darm-Kanal wirkt Curare erst in relativ hohen Dosen toxisch, so daß das Fleisch von Tieren, die mit Curare vergiftet wurden, eßbar ist. In äußerst geringen Mengen giftig ist Curare, wenn es (z. B. mit vergifteten Pfeilen) durch kleine Wunden direkt in die Blutbahn gelangt. Als Gegenmittel wird das Waschen der Wunde mit verdünnter Kaliumpermanganatlösung empfohlen, wodurch das Gift oxidativ zersetzt wird, oder die Gabe von Cholinesterase-Hemmern (Anticholin-Esterasen), z. B. Neostigmin, die durch Hemmung des Enzyms Cholinesterase (Acetylcholin-Esterase) die Acetylcholinwirkung verlängern. E.R./S.Kl.





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