Lexikon der Biologie





Demutsgebärde



1 Die Dreizehenmöwe zeigt als Demutsgebärde mit dem geschlossenen Schnabel nach oben; diese Stellung signalisiert das Wegwenden der Waffe vom Partner und die fehlende Tendenz zum Zufassen. Als Drohung dient die gegenteilige Stellung, nämlich das Abwärtswenden des geöffneten Schnabels. Sehr häufig zeigen drohende Tiere ihre Waffen oder imponieren durch Größe, Färbung usw., während die Demutsgeste im Verstecken der Waffen, Kleinermachen oder im Entfärben besteht.

2 Häufig umfaßt die Demutsgebärde nicht nur das Verbergen der Waffen oder das "Abschalten" aggressiver Signale, sondern auch ein Element der Beschwichtigung: Es werden Signale gezeigt, die beim Gegner andere Verhaltenstendenzen anregen und aggressive Tendenzen hemmen. So macht sich der unterlegene Truthahn nicht nur durch Ducken kleiner, seine Stellung gleicht auch der weiblichen Paarungsaufforderung. In der Tat versucht der Sieger manchmal, den Verlierer zu begatten.

3 Sehr ausgeprägt ist das Element der Beschwichtigung beim Präsentieren vieler Affen, bei dem der Unterlegene sich abwendet und seine Kehrseite vorzeigt. Diese Geste – ursprünglich die weibliche Paarungsaufforderung – wird auch von Jungtieren und Männchen gezeigt und hat in diesem Zusammenhang keine sexuelle Funktion.

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