Lexikon der Biologie



dendritische Zellen



Es lassen sich grob 2 Funktionsbereiche der dendritischen Zellen (DC) unterscheiden: 1) Antigen-Aufnahme: unreife DC sind in vielen Geweben, vor allem in Epithelien (Haut, Darm, Atemwege), lokalisiert, um eine effiziente Überwachung des Körpers auf Pathogene zu gewährleisten. In diesem Stadium sind sie zur Aufnahme unterschiedlichster Antigene fähig – mittels Phagocytose von Partikeln, Viren oder Bakterien, Makro-Pinocytose und rezeptorvermittelter Endocytose durch Expression von Mannose-, Fcγ-, Fcε- und anderen Rezeptoren (Fc-Rezeptor). Die Aufnahme eines geeigneten Antigens (z. B. Bakterien) oder die Wirkung von Cytokinen wie GMCSF, TNFα (Tumor-Nekrosis-Faktor) oder IL-1 (Interleukine) veranlassen DC zur Reifung und zur Einwanderung in die lymphatischen Organe. Dort werden sie zu reifen DC oder interdigitierenden reticulären Zellen, deren Aufgabe jetzt eine effiziente 2) Antigen-Präsentation und eine intensive Interaktion mit T- und B-Lymphocyten sowie deren Aktivierung ist. Das Expressionsmuster der Oberflächenantigene verändert sich entsprechend. Moleküle zur Antigen-Aufnahme werden nur sehr schwach, solche für die Antigen-Präsentation wie MHC I und II (Histokompatibilitäts-Antigene) und costimulatorische Moleküle wie CD86, CD80, CD58, CD54, CD40, CD25 (CD-Marker, Tab.) sehr stark exprimiert. Die Interaktionen zwischen DC, T- und B-Lymphocyten und die Produktion von Cytokinen (IL-12, IL-4) und Chemokinen (IL-8, MIP-1α, MIP-1β [MIP]) resultieren in der Aktivierung cytotoxischer und Helfer-T-Lymphocyten (Helfer-Zellen) und der Bildung von Antikörpern. DC differenzieren sich aus CD34-positiven Vorläuferzellen aus dem Knochenmark, wobei mehrere Untergruppen entstehen: Langerhans-Zellen (in Epithelien), DC myeloider und lymphoider Herkunft. Letztere benötigen IL-3 zur Differenzierung, haben keine myeloiden Marker (CD11b, CD13, CD33), entstehen aus Vorläuferzellen, die auch T-Zellen hervorbringen, und sollen vor allem bei der Toleranzinduktion eine Rolle spielen. DC myeloider Herkunft können direkt naive B-Lymphocyten zur Antikörperproduktion stimulieren. Ihre Vorläuferzellen können unter der Wirkung von MCSF zu Makrophagen differenzieren. Langerhans-Zellen finden sich nur in der Haut und unterscheiden sich von den anderen DC durch spezifische Marker (E-Cadherin [Uvomorulin], Birbeck-Granule). Aus ihren Vorläufern können keine Makrophagen hervorgehen. In vitro lassen sich DC aus Vorläuferzellen des peripheren Blutes oder des Knochenmarks mit GMCSF und IL-4 in größeren Mengen gewinnen und sind somit für eine Immuntherapie verwendbar. So können z. B. aus dem Blut eines Tumor-Patienten in vitro DC kultiviert, mit einem tumorspezifischen Antigen beladen und dem Patienten als Tumorvakzine wieder injiziert werden. Bisher wurde kein Markermolekül gefunden, das ausschließlich auf DC zu finden ist. – Zur Zeit (2000) werden unter dem Begriff dendritische Zellen mehrere Antigen-präsentierende Zellpopulationen mit ähnlicher Morphologie, aber unterschiedlicher Herkunft und Lokalisation zusammengefaßt. Gänzlich verschieden von den DC sind die follikulären dendritischen Zellen. R.We.

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