Lexikon der Biologie



Diasporenbank



Die Dauer der Keimfähigkeit der Diasporen im Boden ist einerseits artspezifisch und andererseits von Umweltfaktoren, wie Bodenbeschaffenheit und Klima, abhängig: z. B. verlängert die Abwesenheit von Sauerstoff die Lebensdauer der Diasporen (Keimhemmung, Keimruhe, Keimungshemmstoffe). Während einige Arten, wie z. B. Pappeln und Weiden, keine Diasporenbank ausbilden, da ihre Samen häufig nur wenige Stunden lang keimfähig sind, besitzen z. B. Hülsenfrüchtler, Malvengewächse oder die Lotosblume (Nelumbo) sehr langlebige Diasporen (Lebensdauer bei letzterer bis zu 1000 Jahre). Auch bei annuellen Pionierpflanzen bzw. Unkräutern (z. B. Spergularia arvensis, Chenopodium album) können die Diasporen im Boden bis zu 100 Jahre lang keimfähig bleiben. Viele Arten der Tropen, die nicht an ungünstige Klimaperioden angepaßt sind, besitzen Diasporen mit einer Keimfähigkeit von nur wenigen Monaten. Diasporen von Arten der Wüsten, deren Keimungszeitpunkt wegen der unregelmäßigen Niederschläge für die Pflanze nicht "vorhersagbar" ist, können oft über sehr lange Zeiträume keimfähig bleiben. Bei der Klassifizierung werden in der Regel drei Diasporenbanktypen unterschieden: vorübergehend (transient, Keimfähigkeit zwischen mehreren Monaten und 1–2 Jahren), kurzlebig (short-term persistent, Keimfähigkeit wenige [1–2] bis mehrere [5] Jahre) und langlebig (long-term persistent, Keimfähigkeit mehrere [mehr als 5] Jahre bis wenige Jahrzehnte). Die Dauer der Keimfähigkeit kann mit der Analyse von tiefenfraktionierten Bodenproben abgeschätzt werden: in den unteren Fraktionen nachgewiesene keimfähige Diasporen besitzen aufgrund des längeren Verlagerungsprozesses im Boden sehr wahrscheinlich eine längere Lebensdauer als solche aus oberen Schichten.





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