Lexikon der Biologie



Diphtherietoxin



Das Diphtherietoxin wurde 1888 von P.P.É. Roux und A.J.E. Yersin entdeckt. Die letale Dosis beträgt nur 0,1 μg pro kg Körpergewicht. Es ist ein hitzelabiles Polypeptid (Enzym) aus 2 Untereinheiten, A (relative Molekülmasse 24 000) und B (38 000), die über Disulfidbrücken verbunden sind. B bindet wahrscheinlich an spezifische Rezeptoren, den heparinbindenden Epidermal-Wachstumsfaktor (HB-EGF-precursor; HB-EGF) der Wirtsmembran; darauf wird das Toxin durch Endocytose in die Zelle aufgenommen. Durch einen abfallenden (niedrigen) pH-Wert in der Vakuole wird die Konformation beider Untereinheiten so verändert, daß die A-Untereinheit (nach Reduktion der Disulfidbindung) von der B-Untereinheit abgespalten und ins Cytoplasma freigesetzt wird, wo sie ihre enzymatische Wirkung entfaltet. Fragment A katalysiert die Spaltung von NAD+ in Nicotinsäureamid und ADP-Ribose, das in einem 2. Schritt an den Elongationsfaktor (EF-2) koppelt. Dadurch wird die ribosomale Proteinsynthese blockiert. Wahrscheinlich genügt ein A-Fragment, um eine Zelle in 24 h abzutöten. Diphtherietoxin wirkt ähnlich wie das Choleratoxin.





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