Lexikon der Biologie

Elektronenspinresonanz-Spektroskopie



Vielfältige Anwendungen erfährt die ESR-Spektroskopie insbesondere in der Biophysik und Biochemie für Untersuchungen aller Arten paramagnetischer Zustände und Zentren. Diese treten häufig als Übergangsprodukte in enzymatischen Reaktionen (z.B. Übergangsmetallkomplexe oder Chinone in Elektronenübertragungsreaktionen) auf oder kommen als Folgeprodukte (freie Radikale, Ionen) der Schädigung von Biopolymeren durch UV-Licht (Ultraviolett) oder energiereichere ionisierende Strahlen vor. Man kann auch die Verteilung und Umwandlung von Makromolekülen mit Hilfe der ESR-Spektroskopie verfolgen, wenn sie vorher künstlich mit einer stabilen Spinsonde, z.B. auf der Basis des Nitroxylradikals, markiert wurden. In der Zellbiologie (Cytologie) wird so die Beweglichkeit von Phospholipiden innerhalb von Phospholipid-Membranen bestimmt (Membranfluidität). Dabei wird die Energie gemessen, die von dem ungepaarten Elektron der Nitroxylgruppe absorbiert wird. Außerdem kann man mit Hilfe von Spinsonden u.a. Wechselwirkungen zwischen Membranlipiden und Membranproteinen, Ligandbindung, Konformationsänderungen, Antigen-Antikörper-Bindung (Antigen-Antikörper-Reaktion) oder das Schmelzverhalten von Nucleinsäuren untersuchen.

[Drucken] [Fenster schliessen]