Lexikon der Biologie

erzwungene Kopulation



Als Fortpflanzungsstrategie kann erzwungene Kopulation nur dann gelten, wenn klar zwischen weiblichem Wahlverhalten und erzwungener Kopulation unterschieden und gezeigt werden kann, daß die Männchen durch dieses Verhalten ihren Fortpflanzungserfolg erhöhen. Zum Beispiel können bei Skorpionsfliegen (Gattung Panorpa) Männchen verschiedene Verhaltensweisen zeigen: Manche Männchen suchen und verteidigen tote Insekten. Diese Nahrungsquelle wird den Weibchen mit spezifischen Duftstoffen signalisiert. Weibchen, die durch den Duft angelockt wurden, lassen Kopulationen zu. Andere Männchen bieten keine toten Insekten, sondern stellen Sekretmaterial bereit. Wiederum andere suchen aktiv Weibchen auf, die ergriffen und festgehalten werden. Obwohl sich aber viele Weibchen befreien können, gelingt es Männchen hin und wieder, scheinbar gewaltsam, Genitalkontakt herzustellen und Sperma abzugeben. Letzteres bezeichnete Thornhill (1980) als Fortpflanzungsstrategie.

Erzwungene Kopulation zwischen Männchen wurde bei Wanzen (Xylocoris maculipennis) beobachtet: Manche Männchen übertragen ihr Sperma gewaltsam in den Genitaltrakt anderer Männchen. Diese transportieren während einer späteren Kopulation das Sperma des Konkurrenten in den weiblichen Genitaltrakt und könnten somit zur Erhöhung der Fitness des Konkurrenten beitragen. Lit.: Thornhill, R. (1980): Rape in Panorpa scorpionflies and a general rape hypothesis. Animal Behaviour 28: 52–59. Carayon, J. (1974): Insémination traumatique et homosexuelle chez Xylocoris maculipennis (Hem. Anthochoridae). Comptes rendues de l'academie des sciences, Paris, série D 278: 2803–2806.

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