Lexikon der Biologie

Flechtenfarbstoffe



Die Produktion von Flechtenfarbstoffen war besonders im 18. und 19. Jahrhundert bedeutend, war aber schon den alten Ägyptern und Griechen bekannt. Das zermahlene Flechtenmaterial wurde mit Urin, später mit Ammoniak versetzt und der Brei unter Luftzutritt stehengelassen. Nach mehreren Tagen konnte der Farbstoff abgesiebt werden. Grundlage der Flechtenfarbstoffe sind vor allem die Depside Lecanorsäure, Erythrin, Evernsäure und Gyrophorsäure (Flechtenstoffe). Bei Behandlung mit Ammoniak werden die Depside zu Orcin (3,5-Dihydroxytoluol) abgebaut, das durch Luftoxidation rote, violette und blaue Farbstoffmischungen ergibt, wie Orcein, Orseille, Persio und Lackmus, die vor allem aus Roccella-Arten gewonnen wurden, und Cudbear, für das Ochrolechia tartarea als Rohstoff diente. Orseille, Persio und Cudbear kamen als purpurne Substanzen, Lackmus als blaue Substanz in den Handel. In jüngster Zeit wurden Flechtenfarbstoffe nur noch vereinzelt zur Tuch- und Lebensmittelfärbung benutzt; Orcein dient der Chromosomenfärbung in histologischen Präparaten, Lackmus der qualitativen pH-Bestimmung (Lackmuspapier).

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