Lexikon der Biologie

formative Teilung



In seiner Schrift über die „Kontinuität des Keimplasmas als Grundlage der Theorie der Vererbung“ hat A. Weismann den Begriff der „erbungleichen Teilung“ ausführlich entwickelt (Entwicklungsbiologie, Geschichte der). Er nahm dabei an, daß nur die Keimzellen den vollständigen Satz von Erbanlagen – Weismann sprach von „Iden“ (heute würde man von Genen sprechen) – enthalten, während den übrigen Zellen durch „erbungleiche Teilung“ bei ihrer Entstehung nur bestimmte Erbanlagen zugewiesen würden. Diese unterschiedliche Ausstattung mit einzelnen „Iden“ sei letztlich für die Verschiedenheit der einzelnen Zellen verantwortlich. Die Fähigkeit vieler Zellen zur Regeneration von im Extremfall ganzen Organen oder gar Organismen (vor allem bei Pflanzen) steht jedoch mit Weismanns Auffassung im Widerspruch. Inzwischen wurde an zahlreichen Beispielen gezeigt, daß alle Zellen eines Organismus die gleiche Ausstattung von Genen enthalten. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Zellen gehen also auf ein unterschiedliches Muster in der Aktivität dieser Gene zurück, nicht auf eine unterschiedliche Ausstattung mit Genen. Aus diesem Grund ist die Bezeichnung „erbungleiche Teilung“ falsch, da die Tochterzellen immer den gleichen Satz von Erbanlagen zugeteilt bekommen.

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