Lexikon der Biologie

Fruchtformen





Übersicht über die wichtigsten Fruchtformen



I. Früchte aus chorikarpem Gynözeum

Blüte mit mehreren voll getrennten Karpellen, zuweilen Zahl der Karpelle bis auf 1 reduziert.



A. EINBLATTFRÜCHTE

Jedes Karpell bildet eine Einheit.



1. Streufrüchte (Funktionsstufe 1 oder 2)

Beispiele:

Balg (Öffnung an der Bauchnaht), zu mehreren pro Blüte (Nieswurz, Sumpfdotterblume, viele andere Hahnenfußgewächse, Pfingstrosengewächse) oder einzeln pro Blüte (Acker-Rittersporn, Consolida).

Hülse (Öffnung an Bauch- und Rückennaht), zu mehreren pro Blüte (Magnolie [Magnoliengewächse], zum Teil Balg) oder einzeln pro Blüte (Leguminosen: Hülsenfrüchtler).



2. Schließfrüchte (Funktionsstufe 3)

Beispiele:

Beere (Einblattbeere, gänzlich fleischige Frucht), einzeln pro Blüte (Christophskraut, Dattelpalme).

Nüßchen (Einblattnuß, einsamige Trockenfrucht), zu mehreren pro Blüte (Hahnenfuß, Windröschen), zum Teil mit zusätzlichen Ausbreitungsmitteln, z.B. fedrigen oder widerhakigen Griffeln für Epizoochorie (Nelkenwurz) oder Anemochorie (Küchenschelle).

Steinfrucht (Einblattsteinfrucht, einsamige saftig-fleischige Frucht mit hartem Endokarp), einzeln pro Blüte (Kirsche, Pflaume, Pfirsich [Prunus] usw.).



B. SAMMELFRÜCHTE

Die (nicht verwachsenen!) Karpelle einer Blüte bilden zusammen eine Einheit (Funktionsstufe 3, meist 4).



Beispiele:

Sammelnußfrucht, mit fleischiger Blütenachse (Erdbeere), mit fleischigem Blütenbecher (Rose).

Sammelsteinfrucht, Einzelfrüchte fleischig-saftig, zusammenhängend (Himbeere, Brombeere [Rubus]).

Apfelfrucht, Früchte durch fleischig-saftiges Achsengewebe vereinigt (Apfel [Apfelbaum], Birne [Birnbaum]).



II. Früchte aus coenokarpem Gynözeum



Hier natürlich nur Mehrblattfrüchte.



C. MEHRBLATTFRÜCHTE

Aus 2 oder mehr verwachsenen Karpellen gebildete Einheiten.



1. Streufrüchte (Funktionsstufe 1 oder 2)

Beispiele:

Kapsel (trocken) mit verschiedenen Öffnungsmechanismen (Mohn, Glockenblume, Bilsenkraut, Springkraut)

Schote (trocken), aus 2 parakarp verwachsenen Fruchtblättern (Kreuzblütler).



2. Zerfallfrüchte (Funktionsstufe 3)

Beispiele:

Spaltfrucht (Malve, Ahorn [Ahorngewächse]).

Bruchfrucht, als Gliederschote (Rettich) oder Klausen (Lippenblütler).



3. Schließfrüchte (Funktionsstufe 3)

Beispiele:

Nuß oder Nüßchen (einsamige Trockenfrucht) (Birke, Ulme, Esche).

Steinfrucht (einsamige fleischigsaftige Frucht mit hartem Endokarp) (Walnuß [Walnußgewächse], Olive [Ölbaum], Holunder).

Beere (mit gänzlich fleischiger Frucht, kein hartes Endokarp)(Weinrebe, Heidelbeere [Vaccinium], Tomate, Citrusfrüchte).



4. Schließfrüchte (Funktionsstufe 4)

Beispiele:

Mit Tragblatt und Vorblatt umhüllte Nüsse von Hainbuche und Hopfen. Achäne, aus unterständigem Fruchtknoten mit für die Ausbreitung umgewandeltem Kelch (Pappus) (Korbblütler).

Mit begrannten Spelzen und Ährenteilen versehene Karyopse (Süßgräser).



D. FRUCHTSTÄNDE

Die Früchte mehrerer Einzelblüten bilden eine Einheit (Funktionsstufe 5), zum Teil mit Achsenteilen, Hüllblättern und anderem.

Beispiele:

Fruchtstände von Maulbeere (Maulbeerbaum), Linde, Ananas, Feige (Feigenbaum), Klette (Pseudanthium!).





Funktionsstufen der Samen- und Fruchtausbreitung



Stufe 1: nackter Samen als Diaspore.

Stufe 2: Samen mit speziellen Ausbreitungseinrichtungen als Diaspore.

Stufe 3: echte Früchte oder Teile davon, d.h. nur aus Fruchtknoten bzw. Gynözeum hervorgegangene Teile als Diaspore.

Stufe 4: Scheinfrüchte, d.h. Diaspore mit zusätzlichen Teilen der Blüte oder des Blütenbereichs, vor allem bei unterständigen Fruchtknoten.

Stufe 5: Fruchtstände, Diaspore aus Früchten mehrerer Einzelblüten.

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