Lexikon der Biologie

Fungizide



Einteilung der Fungizide




Chemisch kann man unterscheiden:

1) Acylalanin-Fungizide mit starker Wirkung gegen Phycomyceten (z.B. Metalaxyl). 2) Anorganische Fungizide, die heute nur noch eine untergeordnete Bedeutung bei der Pilzbekämpfung haben (z.B. Kupfersalze und elementarer Schwefel). 3) Azol-Fungizide nach dem Imidazoltyp (z.B. Imazilil) und dem Triazoltyp (z.B. Triadimefon). 4) Benzimidazol-Fungizide mit überwiegend systemischen Eigenschaften werden besonders gegen Schlauchpilze (Ascomycetes) eingesetzt (z.B. Benomyl und Carbendazim). 5) Carbonsäure-Fungizide, zu denen Carbonsäureamid-Fungizide (z.B. Carboxin) mit selektiver Wirksamkeit gegenüber Ständerpilzen (Basidiomycetes) und Carboximid-Fungizide (z.B. Vinclozolin) mit hoher Wirkung gegen den Grauschimmel (Botrytis cinerea) gerechnet werden. 6) Chinon-Fungizide (z.B. Dithianon) reagieren mit SH- und Amino-Gruppen der Pilzproteine. 7) Chlorkohlenwasserstoff-Fungizide mit Hexachlorbenzol und Pentachlorphenol als wichtigen Vertretern. 8) Dinitrophenylester-Fungizide als Derivate des Dinitrophenols wirken auch toxisch gegenüber Höheren Pflanzen; Verbindungen mit längeren Alkylseitenketten sind jedoch weniger phytotoxisch und damit als Fungizide einsetzbar (z.B. Binapacryl, Dinocap). 9) Dithiocarbamat-Fungizide werden zu den breitwirkenden Blatt-Fungiziden gezählt (z.B. Ferbam). 10) Halogenalkylmercaptoimid-Fungizide, bei denen im Wirkungsverlauf das schädigende Thiophosgen entsteht (z.B. Captan, Captafol). 11) Metallorganische Fungizide, die meist über die Gasphase wirken. Quecksilber-Kohlenstoffverbindungen sind stabil und von hoher Toxizität; sie werden vorwiegend als Saatbeizmittel verwendet, sind in Deutschland aber nicht mehr zugelassen; Zinnverbindungen haben ebenfalls eine breite Wirkung und sind vielseitig einsetzbar. In Farbanstrichen an Schiffsböden oder als Holzschutzmittel verwendet, haben Vertreter dieser Gruppe (z.B. Fentin-Acetat) auch insektizide, algizide und molluskizide Wirkungen. Zinnverbindungen werden auch alternierend mit Kupferverbindungen angewendet. 12) Morpholin-Fungizide werden als Beizmittel oder als Bodenfungizide eingesetzt (z.B. Tridemorph). 13) Nitrophenol-Fungizide sind Derivate des Dinitrophenols. 14) Phosphororganische Fungizide zeigen in erster Linie insektizide und akarizide und nur in Ausnahmefällen fungizide Eigenschaften. Hierzu gehört Pyrazophos mit guter Wirkung gegen den Echten Mehltau. 15) Piperazin-Fungizide werden als systemische Blatt-Fungizide verwendet (z.B. Triforin). 16) Pyrimidin-Fungizide werden nach Ethirimol- und Fenarimoltyp unterschieden.



Zur Geschichte



Schwefel wurde bereits 1803 (Forsyth) als Spritzgemisch mit Tabak, Kalk und Holunderknospen gegen Pilzerkrankungen im Obstbau eingesetzt. Schwefel-Seifebrühe diente ab 1821 (Robertson) zur Bekämpfung des Pfirsichmehltaus und ab 1848 (Duchartre) zur Bekämpfung des Echten Mehltaus (Uncinula necator) an Reben. Die fungizide Wirkung von Kupfer gegen Brandpilze wurde bereits 1807 (Prevost) erkannt; im großen Maßstab jedoch erst seit 1885 als Bordeauxbrühe (= Kupfersulfat + Kalk, Millardet) und seit 1887 als Burgunderbrühe (= Kupfersulfat + Soda, Masson) zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus (Plasmopara viticola) der Reben eingesetzt.

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