Lexikon der Biologie

Gentechnologie



Historische Daten zur Entwicklung der Gentechnologie

(soweit sie über die bei Desoxyribonucleinsäuren aufgeführten Daten hinausgehen):



1972: Mit Hilfe von DNA-Ligase werden Restriktionsfragmente von DNA ligiert.

1973: Restriktionsfragmente von Fremd-DNA werden mit Plasmid-DNA zu einer chimären DNA ligiert und anschließend in funktionell aktiver Form in E.coli-Zellen eingeschleust. – Die Teilnehmer einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz (Gordon Research Conference on Nucleic Acids) verabschieden mit großer Mehrheit ein Memorandum über mögliche Gefahren der in-vitro-DNA-Neukombination.

1975: Eine internationale wissenschaftliche Konferenz in Asilomar (Kalifornien) erarbeitet Richtlinien zur Sicherheit bei Produktion und Handhabung von Organismen, die in vitro rekombinierte DNA enthalten, und empfiehlt, als Rezipienten von Fremd-DNA nur solche durch Mutation abgewandelten mikrobiellen Stämme zu verwenden, die außerhalb der Laborbedingungen nicht lebensfähig sind.

1976: Die auf der Asilomar-Konferenz erarbeiteten Richtlinien werden in den USA vom National Institute of Health (NIH) als verbindlich anerkannt. In den Folgejahren werden die NIH-Richtlinien in zahlreichen Ländern (darunter auch in der Bundesrepublik Deutschland) übernommen.

1977: Gründung der ersten Firma (Genentech), die sich die Produktion und den Einsatz künstlich rekombinierter DNA zur Synthese von Arzneimitteln in kommerziellem Maßstab zum Ziel setzt. In den Folgejahren kommt es zu zahlreichen weiteren Firmengründungen mit ähnlicher Zielsetzung.

1978: Das Gen für das Peptidhormon Somatostatin wird synthetisiert und in Bakterien eingeschleust, wo es die Synthese von Somatostatin bewirkt.

1979: Lockerung der NIH-Richtlinien bezüglich der Rekombination viraler DNA. Isolierung eines Krebsgens mit Hilfe gentechnologischer Methoden.

1980: Insulin wird als erstes von einem rekombinanten Gen codiertes Produkt im industriellen Maßstab erzeugt.

1981: Lockerung der NIH-Richtlinien hinsichtlich der Verwendung gewöhnlicher Laborstämme von E. coli und Hefe als DNA-Rezipienten, sofern nicht Gene für toxische Produkte transferiert werden. Sichelzellanämie kann pränatal auf Genebene durch Analyse der Restriktionsfragmente des defekten Gens diagnostiziert werden. Erstmals Einschleusen eines menschlichen Gens (für Globin) in ein Säugetier (Maus).

1982: Als Folge der Injektion des klonierten Gens für Wachstumshormon in die befruchteten Eier von Mäusen entstehen Mäuse, deren erhöhter Wachstumshormonspiegel zu erblichem Großwuchs führt. Ein menschliches Krebsgen wird analysiert; es stellt sich heraus, daß die Normalform (das Wildtyp-Allel) dieses Gens im Genom normal wachsender Zellen enthalten ist und daß der Austausch eines einzigen Basenpaars den Übergang vom Wildtyp-Gen zum Krebs-Gen verursacht.

1983: Mit Entwicklung der Polymerase-Kettenreaktion können geringste Mengen definierter DNA-Fragmente in vitro amplifiziert werden. Erstmals Einschleusung eines fremden Gens in eine Höhere Pflanze (Tabak).

1985: Die vollständige DNA-Sequenz des erst 1981 dokumentierten AIDS-Virus ist entschlüsselt.

1986: Die NIH-Richtlinien werden auf transgene Tiere und Pflanzen erweitert, ebenso werden Vorschriften für die somatische Gentherapie bei Menschen erlassen.

1987: In den USA Freisetzungsexperiment von Pseudomonas-Bakterien, die gentechnologisch so verändert waren, daß die natürlich vorkommende Eisbildung auf Nutzpflanzen, die durch Pseudomonas-Arten vermittelt wird, unterbleibt.

1988: Etwa 50 verschiedene Freisetzungsexperimente mit gentechnologisch manipulierten Bakterien und Pflanzen werden in Europa durchgeführt. Diese Experimente sollten die Risiken solcher Freisetzungen aufzeigen. Erste Patentierung eines Säugetieres (Krebsmaus) in den USA.

1989: Bewilligung eines somatischen Gentherapie-Experiments bei unheilbar kranken Krebspatienten in den USA. Start des Human Genome Project.

1990: In der Bundesrepublik Deutschland wird ein „Gesetz zur Regelung von Fragen der Gentechnik“ (Gentechnikgesetz, GenTG) erlassen.

1991: Erste Behandlung von Krebskranken mit gentechnisch veränderten Lymphocyten in den USA.

1992: Erste Patentierung eines Säugetieres (Krebsmaus) in Europa. Zweites US-Patent für eine TIM-Maus (transgenic immunodeficient mouse) erteilt.

1993: Genehmigung des Bundesgesundheitsamts in Berlin für die Freisetzung von gentechnisch veränderten Kartoffeln und Zuckerrüben in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Änderung des 1990 beschlossenen Gengesetzes erleichtert die gentechnische Forschung und Produktion in Deutschland.

1997: Erste Klonierung eines Säugetieres (Schaf „Dolly“) unter Verwendung ausdifferenzierter somatischer Zellen. Von der Weiterentwicklung dieser Technik verspricht man sich die Herstellung pharmazeutischer Proteine durch transgene Tiere über mehrere Generationen in gleichbleibender Qualität.

2000: Sequenzierung eines menschlichen Genoms zu ca. 90% durchgeführt.

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