Lexikon der Biologie

Histamin



Histamin oder Histamin-ähnliche Substanzen entstehen bei jeder Schädigung menschlicher und tierischer Zellen und verursachen Reaktionen des umgebenden Gewebes. Die Freisetzung des Histamins erfolgt bei Überempfindlichkeitsreaktionen, nach Zerstörung von Zellen und durch chemische Substanzen (Histaminliberatoren). Dabei werden die verschiedenen Wirkungen von Histaminrezeptoren in den Zielgeweben vermittelt. Bei allergischen Hautreaktionen (Haut) wird überschießend Histamin ausgeschüttet und ist dann durch Wirkung auf sensible Nervenendigungen mitverantwortlich für das Jucken, die Hautrötung und die „Quaddelbildung“ (Allergie, Antihistaminika). In der Lunge beeinflußt Histamin die Kontraktion der glatten Muskulatur in der Luftröhre und in den Bronchien (Asthma). Der gleiche Effekt tritt auch im Magen-Darm-Kanal (verstärkte Darmbewegung) und der Gebärmutter auf. Daneben stimuliert es die Magenfundusdrüsen zur Magensäure-Sekretion (Magensäure). Im Herz-Kreislauf-System wirkt Histamin erweiternd auf die kleinen Blutkapillaren, was zu einer Blutdrucksenkung führt; gleichzeitig erfolgen eine Verengung der großen Blutgefäße (Durchmesser > 80 μm), eine Steigerung der Gefäßpermeabilität und eine Veränderung der Herzleistung. Daneben hat Histamin auch immunsuppressive Effekte (Hemmung der mitogeninduzierten Proliferation von T-Lymphocyten, Stimulation von T-Suppressorzellen, Induktion von cytotoxischen T-Lymphocyten, Hemmung der Differenzierung von B-Lymphocyten, chemotaktische Effekte auf neutrophile Granulocyten und eosinophile Granulocyten). Nach Verbrennungen oder schweren allergischen Reaktionen kann es durch stark erhöhte Histaminfreisetzung zur Erweiterung der Kapillaren mit lebensbedrohlichen Folgen (Blutdruckabfall, Kehlkopfschwellung, Bronchospasmus) kommen (anaphylaktischer Schock). Histamin wird im menschlichen Körper sehr schnell zu Imidazolylessigsäure und Methylimidazolylessigsäure metabolisiert. Abbauende Enzyme sind die Diaminoxidase Histaminase (aus den Granulocyten) und die N-Methylhistamin-Transferase (aus den Monocyten).

Histamin wurde bei Wirbellosen als Neurotransmitter identifiziert. Die Transmitterfunktion im Zentralnervensystem (ZNS) von Wirbeltieren ist noch strittig. Die höchste Histaminkonzentration innerhalb des ZNS befindet sich im Hypothalamus. Die Neuronen der Corpora mamillaria gelten nach neueren Untersuchungen nahezu gesichert als histaminerg.

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