Lexikon der Biologie

Influenzaviren



1 Die als Spanische Grippe bezeichnete Pandemie von 1918/1919 war die verheerendste Seuche des 20. Jahrhunderts. Sie hat mindestens 20 Millionen (möglicherweise sogar 40–50 Millionen) Todesopfer gefordert – mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung wurde damals infiziert. Im Unterschied zu anderen Influenza-Epidemien traten die meisten Todesfälle bei jungen Erwachsenen auf. Erreger der Seuche war ein H1N1-Influenza-A-Virus. Mit hochempfindlichen Methoden der reversen Transkription und Polymerase-Kettenreaktion wird seit einigen Jahren versucht, die Nucleotidsequenz des 1918-Pandemievirus zu ermitteln. Dazu verwendet werden noch erhaltene, in Paraffin eingebettete Lungen-Autopsiematerialien von damaligen Todesopfern sowie biopsiertes Lungengewebe einer im Permafrostboden von Alaska bestatteten, 1918 an Influenza verstorbenen Inuit-Frau. Aus den Sequenzdaten für die HA-, NA- und NS1-Gene ließen sich bislang keine Erklärungen für die extreme Virulenz des 1918-Pandemievirus ableiten. Phylogenetische Analysen zeigen eine Verwandtschaft zum klassischen Schweine-Influenzavirus, aber auch zu Vogelviren, und lassen vermuten, daß sich das Virus vor Ausbruch der 1918-Pandemie durch Mutationen an den Menschen als Wirtsorganismus adaptiert hatte.

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