Lexikon der Biologie

Initiation



Initiationsriten sind in ihrer ursprünglichen Funktion als öffentliche, feierlich gestaltete Hilfestellung der Gesellschaft beim Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter zu verstehen. Die genaue Festlegung ihres Ablaufs läßt den Jugendlichen keinen Moment allein. Die Initiationsriten beweisen ihm seine soziale Einbettung, seine Anerkennung und seine übertragene Verantwortung. Die Initiation ist aber auch Zeichen seiner Unfreiheit, sich zu einer anderen Lebensform als zu der seiner Eltern, seines Stammes zu entschließen. Sein Weg ist durch die Initiation lückenlos geschützt, der Preis hierfür ist die bedingungslose Vorgegebenheit. Eine gesellschaftlich sanktionierte, traditionelle Initiation ist in den Industrienationen westlicher Prägung weitgehend abgeschafft. Das Fehlen von Initiationsäquivalenten wurde als eindeutige Ursache von exzessiven Pubertätskrisen erkannt. Die Vielfalt des heutigen Lebens erlaubt keine einheitlichen identischen Initiationsabläufe. Es muß eine Auswahl an Initiationsäquivalenten angeboten werden, die den individuellen Bedürfnissen der Heranwachsenden gerecht und von ihnen in der extrem verlängerten Übergangsphase von der Kindheit ins Erwachsenenalter entsprechend gestaltet werden können.

[Drucken] [Fenster schliessen]