Lexikon der Biologie

Inzuchtvermeidung



Bei den meisten Tierarten wird Inzest nur passiv vermieden, indem Nachkommen sich zerstreuen bzw. von den Eltern nicht mehr geduldet werden, oder indem die jungen Männchen oder die jungen Weibchen die Gruppe verlassen; dadurch kommt es zu einer Trennung der Geschwister (Exogamie) usw. Durch diese Verhaltensweisen werden Verpaarungen naher Verwandter zwar unwahrscheinlich, aber sie sind möglich und kommen auch vor. Die aktive Vermeidung von Inzest ist an die Möglichkeit individuellen Erkennens (Wiedererkennen) gebunden und kommt auch bei Tieren vor: Bei einigen Vogelarten (z.B. Graugänse) vermeiden Geschwister auch dann eine Verpaarung, wenn sie ohne andere Partner zusammen gehalten werden; hier spielen sexuelle Prägungsvorgänge während der frühen Ontogenese eine Rolle. Bei Schimpansen wurde beobachtet, daß Weibchen sexuelles Interesse von Brüdern aktiv abwehren und daß selbst erwachsene und ranghohe Männchen ihrer Mutter gegenüber kein sexuelles Interesse haben. Untersuchungen zeigten, daß Menschen als Erwachsene denjenigen gegenüber eine erotische Barriere haben, die sie in den ersten 5 Lebensjahren gut kannten. Eigengeruch.

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