Lexikon der Biologie

Karbon

Die Lebewelt des Karbons




Pflanzen

Kalkbildende Algen waren in der Kohlenkalksee weitverbreitet, vom festen Land ergriff eine üppige Pflanzenwelt endgültigen Besitz. Nach Aussterben der Psilophyten im Oberdevon erreichten Niedere Gefäßpflanzen im Oberkarbon ihren Entwicklungshöhepunkt. Bärlappe – sog. Schuppen- und Siegelbäume – bildeten bis 30 m hohe und 2 m dicke Stämme aus; Schachtelhalme, bekannt als Calamiten und Keilblatt, sowie echte Farne (Filicatae) mögen ein dichtes Unterholz gebildet haben (Farnpflanzen III–IV). Entwicklungsgeschichtlich wurden zwei bedeutende Fortschritte erzielt: Anstelle von Sporen vermehrten sich die Pteridospermen durch Samen (Farnsamer), und gegen Ende des Karbons erschienen die ersten Nadelhölzer (Coniferophyten). Überaus günstiges Klima und tektonisch-ökologische Impulse im Gefolge der variszischen Gebirgsbildung schufen die Voraussetzungen für das vorzügliche Gedeihen der Wälder und Moore und das Entstehen der Kohlenflöze.



Tiere

In der Tierwelt des Meeres wurden die tabulaten Korallen von den aufstrebenden Fiederkorallen (Rugosa) zurückgedrängt, Riffe scheinen jedoch noch selten gewesen zu sein. Diese Rolle übernahmen im Kohlenkalkmeer die Bryozoen im Verein mit zum Teil sehr großen Brachiopoden und Seelilien. Die Trilobiten waren bis auf wenige alte und neue Formen fast am Ende. Krebstiere nahmen hingegen an Häufigkeit zu, ebenso die Spinnen und Tausendfüßer. Schwertschwänze wurden dem lebenden Limulus immer ähnlicher. Gewaltige Spannweiten (bis 75 cm) ihrer starren, nicht faltbaren Flügel entwickelten einige der seit dem Oberdevon existierenden geflügelten Insekten; im Oberkarbon kamen Libellen, Eintagsfliegen und Schaben hinzu. Alle machten nur eine unvollkommene Metamorphose durch und ernährten sich von Fleisch und Aas. Gleichzeitig tauchten neben zahlreichen marinen Formen auch die ersten Süßwasserschnecken auf, und limnische Muscheln erreichten eine erste Blütezeit. Kopffüßer, insbesondere die Ammonoideen (Ammonoidea), entfalteten sich nach einem scharfen Einschnitt gegen Ende des Devons zu großer Formenfülle, Coleoidea hinterließen erste Spuren. Knorpel- und Knochenfische übernahmen die Rolle der † Panzerfische. Plumpe Vierfüßer („Amphibien“), bis zu 5 m Länge, mit flachem, geschlossenem Schädeldach und stark gefälteltem Zahnschmelz (Stegocephalen bzw. Labyrinthodonten) und schlangenartige Lepospondylen waren die beherrschende Tiergruppe des Festlands, aus der noch im Oberkarbon die ersten anapsiden Kriechtiere (Reptilien) hervorgingen.

[Drucken] [Fenster schliessen]