Lexikon der Biologie

Kreide



1: Die Lebewelt der Kreidezeit




Pflanzen

An der Wende Meso-/Känophytikum unterliegen Niedere und Höhere Pflanzen einem tiefgreifenden Wandel. Planktische Algen mit Kalkskelett werden häufiger; Coccolithophorida (Kalkflagellaten) treten in der Schreibkreide schon in gesteinsbildender Menge auf. Ein Entwicklungsfortschritt, der auch die Gegenwart noch prägt, setzt sich in der unteren Kreide mit dem Erscheinen von Bedecktsamern (Angiospermen) durch; ab Beginn der oberen Kreide (Cenomanium) übernimmt diese Gruppe die Vorherrschaft. Die Gestalt der Laubblätter erinnert zum Teil an rezente Familien (Credneria, Magnolia, Populus). Einkeimblättrige Pflanzen sind vorwiegend als Palmen und Gräser bekannt. Nacktsamer (Gymnospermen) beherrschen neben Farnen mit einschichtiger Sporangienwand (leptosporangiat; Leptosporangiatae) die Flora der Unter-Kreide. Ginkgoartige, Nadelhölzer und Cycadophytina sind auch als Kohlebildner (Kohle) von Bedeutung.



Tiere

Mit dem Aufblühen der Foraminifera kündigt sich der känozoische Zeitenwandel deutlich an. Stratigraphische Bedeutung erlangen die zu den Wimpertierchen gehörenden Tintinnina (Calpionellen). Unter den Schwämmen übertreffen nur die Kieselschwämme (Silicea, Ceractinomorpha) den Formenreichtum der Jurazeit (Jura). Korallen treten als Riffbildner zurück. Brachiopoden außer den Terebratulida und Craniacea nehmen an Häufigkeit ab. Moostierchen erreichen im Ober-Kreide-Meer üppigen Formenreichtum. Grundlegenden Wandel erfahren die Weichtiere erst am Ende der Kreide: Ammoniten (Ammonoidea), Inoceramen (Inoceramus) und Rudisten (Hippuritacea) sterben aus, die Belemniten erreichen das Alttertiär ebenfalls nicht. Innerhalb der Kreide spielen diese Formen jedoch als Leit- und Faziesfossilien eine ebenso wichtige Rolle wie die Muschelkrebse und Stachelhäuter, insbesondere die Seeigel. Unter den Fischen rücken die Strahlenflosser (Actinopterygii) in den Vordergrund, Haie erreichen zum Teil gigantische Größe. Amphibien haben nur spärliche Zeugnisse hinterlassen; dafür beherrschen die Reptilien in fast allen Lebensräumen das Bild der Fauna, bis sie am Ende der Kreide außer den heute lebenden (Schildkröten, Eidechsen, Schlangen und Krokodile) aussterben und damit das „Zeitalter der Reptilien“ abschließen. Die Vögel ähneln mit ihren bezahnten Kiefern noch stark der jurassischen Archaeopteryx; erst in der jüngsten Kreide sind zahnlose Schnäbel nachgewiesen. Den Säugetieren kommt weiterhin ökologisch nur geringe Bedeutung zu: Triconodonta und Symmetrodonta sterben nach einer Zeitspanne von ca. 120 Millionen Jahren aus; sie waren damit die langlebigsten Säugetiere der Erdgeschichte. Erste Beuteltiere und Placentatiere (Eutheria) tauchen in der obersten Unter-Kreide auf; in der Ober-Kreide erfolgt eine erste Aufspaltung der Eutheria in Insectivora (Insektenfresser), Deltatheridia, Oxyaenidea (Oxyaeninae), Condylarthra und Primaten.

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