Lexikon der Biologie

kulturgebundenes Syndrom



Einige Krankheiten und Verhaltensstörungen in westlichen Industrieländern sind im Zusammenhang mit den teilweise starken Abweichungen der Lebensgewohnheiten, sozialen Umgangspraktiken und „stressenden“ Umweltfaktoren von der menschlichen Umgebung sowie der evolutionären Angepaßtheit (Evolutionsmedizin) zu sehen. Beispiele sind die Heultage bzw. Wochenbett-Depression, plötzlicher Kindstod (SIDS), angeborene Hüftdysplasie, exzessives Säuglingsschreien (Dreimonatskolik), Eßstörungen, Hyperaktivität und kindliche Schlafstörungen (Kinderethologie). Trotz teilweiser (definitorischer) Überlappung mit kulturgebundenen Syndromen (z.B. Anorexia nervosa) handelt es sich bei diesen „Zivilisationskrankheiten“ selten um psychiatrische Syndrome. Sie sind zum Teil gehäuft (kulturtypisch), aber nicht ausschließlich in einer Kultur (kulturspezifisch) zu finden und erklären sich nicht aus dem spezifischen kulturellen Kontext heraus, sondern durch eine generelle Veränderung der menschlichen Lebensverhältnisse in heutigen Zivilisationen. Der Begriff „Zivilisationskrankheit“ ist deshalb hier dem des kulturgebundenen Syndroms vorzuziehen.

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