Lexikon der Biologie

Lyme-Borreliose



1990 ist es gelungen, einzelne Proteinstrukturen der Erregeroberfläche zu isolieren, die im Tierversuch einen wirksamen Immunschutz erzeugten. Hierbei handelt es sich um das Oberflächenprotein OspA (outer surface protein). Dieses Protein wirkt sowohl immunogen (es löst eine Immunreaktion aus) als auch protektiv (die gebildeten Antikörper bieten Schutz). Der für die USA entwickelte Impfstoff mußte für die Verwendung in Europa modifiziert werden, da in Europa neben den auch in den USA auftretenden Bakterien des Stamms Borrelia burgdorferi 2 weitere Stämme, Borrelia afzelii und Borrelia garinii, auftreten, die sich in diesem Oberflächenprotein unterscheiden. Mit einem derartigen Impfstoff lassen sich 75–80% der Infektionen verhindern, bereits etablierte Bakterien können damit aber nicht bekämpft werden. Dies liegt daran, daß die Bakterien, sobald sie auf den Menschen übergehen, dieses Hüllprotein abgeben. Der Impfstoff wirkt also nur vorbeugend – und zwar direkt in der Zecke: die Zecke schluckt mit dem ersten Blutstropfen die Antikörper gegen OspA, die dann die Erreger bereits im Darm der Zecke ausschalten, so daß es gar nicht zu einer Übertragung auf den Menschen kommt. Ist der Erreger im Menschen, so bildet er statt OspA das Protein OspC. Ein neuer Impfstoff, der gegen OspC gerichtet ist, befindet sich in der Erprobungsphase. Amerikanischen Studien zufolge verändert sich die Bakterienpopulation in der Zecke während des Saugvorgangs sehr schnell, es treten viele verschiedene Kombinationen der Oberflächenproteine auf. Damit erhöht sich die Infektiosität der Bakterienpopulation, da die Immunreaktion des Wirtes wirkungsvoll umgangen werden kann. Gleichzeitig stellt dies ein Problem bei der Impfstoffherstellung dar, da die entwickelten Vakzine schnell ihre Wirkung verlieren können.

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