Lexikon der Biologie

Magnetfeldeffekt



Nachgewiesen wurde u.a. eine Magnetfeldabhängigkeit von lichtinduzierten Elektronenübertragungsreaktionen bei photosynthetischen Bakterien (phototrophe Bakterien). Die magnetische Beeinflußbarkeit von Elektronenübertragungsprozessen und anderen Reaktionen zwischen Radikalen (freie Radikale), wie sie als Teilschritte der Stoffwechselreaktionen biologischer Zellen weit verbreitet sind, läßt vermuten, daß der Schlüssel zum Verständnis des magnetischen Sinns Höherer Lebewesen in eben diesen Reaktionen zu suchen ist. Bei Untersuchungen (an Wachteln) des nur in der Netzhaut (Retina) und im Pinealorgan vorkommenden Enzyms Hydroxyindol-O-Methyl-Transferase (HIOMT) zeigte sich eine deutliche Abhängigkeit der HIOMT-Aktivität in Retina und Pinealorgan von einem Magnetfeld. Beim Menschen wurde eine Beeinflussung der Dämmerungssehschärfe durch Magnetfeldänderungen nachgewiesen. Bei Wurzeln lösen sehr stark gebündelte Magnetfelder eine Krümmungsreaktion aus (Magnetotropismus). Diese beruht darauf, daß die aus geordneten Stärkeschichten aufgebauten Amyloplasten im Grunde diamagnetisch sind und dadurch abgelenkt werden, so daß es zu einer Aktivierung der gravitropischen Signalkette kommt. Mit Hilfe des Magnetfeldeffekts konnte vor kurzem die über 100 Jahre alte Stärke-Statolithen-Theorie (Statolithenhypothese) des Gravitropismus zweifelsfrei bewiesen werden.

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