{"title":"Malaria: Infobox II","body":"<STRONG>Malaria<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>2:<\/STRONG> <I>Die Raffinesse des Malariaerregers:<\/I> In der peripheren Blutzirkulation (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9665'>Blutkreislauf<\/A>) finden sich fast nur sog. Ringstadien (Trophozoiten), die sich im Innern von Erythrocyten nachweisen lassen (vgl. Abb. 1). Erythrocyten exprimieren auf ihrer Oberfl&#228;che keine MHC-Molek&#252;le (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/32060'>Histokompatibilit&#228;ts-Antigene<\/A>) und sind deshalb nicht zu einer T-Zell-stimulierenden <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4075'>Antigenpr&#228;sentation<\/A> f&#228;hig. F&#252;r die akuten Symptome der Falciparum-Malaria sind offenbar <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/16547'>Cytokine<\/A>, insbesondere der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68041'>Tumor-Nekrosis-Faktor<\/A> (TNF), verantwortlich, die von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/40775'>Makrophagen<\/A> gebildet werden, wenn sie mit bestimmten Stoffwechselprodukten des Plasmodiums in Kontakt kommen. Makrophagen und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/21311'>Endothelzellen<\/A>, die durch TNF aktiviert sind, setzen wiederum in gr&#246;&#223;eren Mengen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63884'>Stickstoffmonoxid<\/A> frei. Dieses f&#252;hrt bei der Falciparum-Malaria zu Funktionsausf&#228;llen im <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/26946'>Gehirn<\/A> und zum Versagen verschiedener Organe. Lokal hohe Mengen der Stickstoffverbindung haben im Gehirn die Schlie&#223;ung von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34504'>Ionenkan&#228;len<\/A> (NMDA-Rezeptoren; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/28553'>Glutamatrezeptor-Kan&#228;le<\/A>) zur Folge, was Komazust&#228;nde hervorruft. Auch auf Nierenzellen wurden diese Rezeptoren nachgewiesen. Der schon freigesetzte TNF kann bislang inaktive Fre&#223;zellen zur weiteren Bildung von TNF anregen, wodurch sich die Krankheitsspirale immer schneller dreht. Bei der extrem gef&#228;hrlichen Falciparum-Malaria konnte ein weiterer, synergistisch wirkender krankheitsausl&#246;sender Faktor nachgewiesen werden: Nur bei der Falciparum-Malaria werden infizierte und noch normale rote Blutk&#246;rperchen (Erythrocyten) an den W&#228;nden der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9631'>Blutgef&#228;&#223;e<\/A> festgehalten, was zu einem Verstopfen der Gef&#228;&#223;e und damit zu einem Sauerstoffmangel der betroffenen Organe, z.B. von Gehirn oder Niere, f&#252;hrt. Diese Gef&#228;&#223;verstopfung hat vermutlich 2 Ursachen: Zum einen f&#246;rdert TNF die Bildung von Adh&#228;sionsmolek&#252;len (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1054'>Adh&#228;sine<\/A>) der Venenwand, mit denen parasitierte Erythrocyten verkleben; des weiteren wird die Ausbildung von speziellen Adh&#228;sionsmolek&#252;len auf der Oberfl&#228;che der infizierten Wirtszellen beobachtet, die zur Verklebung von parasitierten Erythrocyten sowohl mit noch normalen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9719'>Blutzellen<\/A> (Rosetting-Ph&#228;nomen; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/22388'>E-Rosette<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/57526'>Rosette<\/A>) als auch mit den Endothelzellen (Cytoadh&#228;renz) f&#252;hren. Die adh&#228;siven Eigenschaften vermittelt ein Protein, das der Parasit auf der Oberfl&#228;che der Wirtszelle exprimiert, das Plasmodium-falciparum-Erythrocyten-Membranprotein 1 (PfEMP 1). Die extrazellul&#228;re Dom&#228;ne des PfEMP-1-Molek&#252;ls weist eine hohe Variabilit&#228;t in der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2874'>Aminos&#228;uresequenz<\/A> auf, die durch die Mitglieder einer Gen-Familie, die var-Gene, erzeugt wird; durch diese <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4084'>Antigenvariation<\/A> entgeht der Parasit wiederum dem Angriff des Immunsystems. Nur <I>Plasmodium falciparum<\/I> ist zur Bildung dieser Proteine f&#228;hig. Die entstehenden Blutzellkonglomerate verstopfen zunehmend die Gef&#228;&#223;e. Der durch die Verstopfung hervorgerufene Sauerstoffmangel f&#252;hrt zu einer weiteren <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27198'>Genaktivierung<\/A>, verbunden mit einer weiteren Erh&#246;hung der Stickstoffmonoxidmenge. Es ist denkbar, da&#223; auch in Niere und Lunge TNF und ein durch verengte Gef&#228;&#223;e herbeigef&#252;hrter Sauerstoffmangel gemeinsam die Synthese von sch&#228;dlichem Stickstoffmonoxid f&#246;rdern. Die St&#246;rungen des Zuckerstoffwechsels (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36588'>Kohlenhydratstoffwechsel<\/A>) lassen sich ebenfalls durch die Wirkung des TNF und des Sauerstoffmangels erkl&#228;ren: das Stickstoffmonoxid aktiviert Gene, die den Abbau von Zucker beschleunigen. Die gezielte starke Ankurbelung der TNF- und Stickstoffmonoxidsynthese &#8211; beides Molek&#252;le, die in niedrigen Konzentrationen eigentlich zu den schlagkr&#228;ftigsten Waffen der k&#246;rpereigenen Abwehr geh&#246;ren &#8211;, f&#252;hrt zu einer immunologischen Katastrophensituation. Die Parasiten schaffen mit Hilfe der Zweckentfremdung des menschlichen Immunsystems somit das f&#252;r ihre Vermehrung notwendige sauerstoffarme Milieu. &#8211;<BR><\/BR><I>Die m&#252;hsame Impfstoffsuche:<\/I> Probleme bzw. Aufgaben bei der Entwicklung von Impfstoffen sind: 1) die Gewinnung gr&#246;&#223;er Mengen reiner Antigene, neuerdings realisierbar durch Gentechnologie und in-vitro-Zucht der Parasiten; 2) Gewinnung gr&#246;&#223;er Mengen antik&#246;rperhaltigen Serums, realisierbar durch Hybridom-Technik (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/32986'>Hybridom<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43782'>monoklonale Antik&#246;rper<\/A>) und die M&#246;glichkeit, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/45007'>Nachtaffen<\/A> mit menschlichen Plasmodien zu infizieren; 3) Anwendung der Immunseren ohne Adjuvantien (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1083'>Adjuvans<\/A>; zum Teil krebserregend). Ein Oberfl&#228;chenmolek&#252;l (Circumsporozoiten-Protein) der Sporozoiten, der Form der Malaria-Parasiten, die durch die M&#252;cke in den K&#246;rper injiziert werden, vermittelt die Bindung an <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/31379'>Hepatocyten<\/A>. Ein Bereich dieses Proteins, die sog. Region II, verantwortlich f&#252;r die Bindung der Sporozoiten an Hepatocyten, weist &#196;hnlichkeiten mit der Zelladh&#228;sionsdom&#228;ne von Thrombospondin auf. Diese Dom&#228;ne des Circumsporozoiten-Antigens wird als guter Kandidat f&#252;r die Entwicklung eines Impfstoffs angesehen. Der mit gro&#223;en Hoffnungen verkn&#252;pfte Impfstoff des kolumbianischen Biochemikers Manuel Patarroyo, SPf66, bestehend aus 4 synthetischen Oberfl&#228;chen-Antigenen des Erregers, hat die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erf&#252;llt. W&#228;hrend er sich in S&#252;damerika offenbar bew&#228;hrte, konnten z.B. in Gambia und Thailand keinerlei Erfolge erzielt werden. Ein Impfstoff, bestehend aus einem k&#252;nstlichen Protein, das Bestandteile von 21 verschiedenen Antigenen des Malaria-Erregers (aus unterschiedlichen Lebensphasen des Parasiten) enth&#228;lt, hat zumindest in Laborversuchen vielversprechende Resultate erzielt. Auch der Einsatz von Immunbotenstoffen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34299'>Interleukine<\/A>, insbesondere IL-12) als Impfstoff, welche in der Zelle eine Kaskade von weiteren Reaktionen ausl&#246;sen, z.B. die Erh&#246;hung des Botenstoffs Gamma-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34289'>Interferon<\/A>, wird untersucht. Ganz neue Wege werden bei der Entwicklung von DNA-Impfstoffen beschritten (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27279'>genetische Impfung<\/A>): Erbgutsequenzen, die mit Genmaterial des zu bek&#228;mpfenden Erregers identisch sind, werden direkt in die Zellen des Empf&#228;ngers injiziert. In ersten Versuchen konnte gezeigt werden, da&#223; im Empf&#228;nger Proteine gebildet werden, die eine Immunreaktion gegen die Erreger ausl&#246;sen; au&#223;erdem werden <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/16610'>cytotoxische T-Lymphocyten<\/A> aktiviert, die mit Plasmodien infizierte Leberzellen erkennen und abt&#246;ten k&#246;nnen.S.Kl."}