Lexikon der Biologie

Nachhaltigkeit



Ursprünglich ist „Nachhaltigkeit“ ein in der deutschen Forstwirtschaft Anfang des 18. Jahrhunderts entwickeltes Prinzip, wonach nur soviel Holz geerntet werden darf, wie in dem jeweiligen Anbaugebiet nachwächst. Das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde im Laufe der Zeit weiterentwickelt und in die Waldgesetze der Bundesländer übernommen. Dort bezieht es sich heute auf die planmäßige Erfüllung der Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktionen des Waldes. Die Idee der Nachhaltigkeit wurde von einer UN-Kommission unter der Leitung der früheren norwegischen Ministerpräsidentin Brundtland übernommen. Mit dem Begriff der Nachhaltigkeit hat dieses Gremium eine Entwicklung gekennzeichnet, bei der die folgende Generation die gleichen Chancen zur wirtschaftlichen Entfaltung besitzen müsse wie die heute lebende Generation. Mit der internationalen Umweltkonferenz in Rio (1992) ist das Konzept der nachhaltigen Entwicklung dann global zu einem Leitbild für zukünftige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung geworden (Agenda 21).

Nachhaltigkeit wird allgemein in eine ökologische, eine ökonomische und eine soziale Komponente gegliedert. Unter ökologischer Nachhaltigkeit wird eine Nutzung verstanden, bei der das Leistungsvermögen des Landschaftshaushalts und die Regenerationsfähigkeit von Ressourcen nicht geschädigt werden. Die ökonomische Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung, die wirtschaftliche Prosperität und Vollbeschäftigung auch für kommende Generationen ermöglicht. Soziale Nachhaltigkeit bedeutet schließlich, daß die Grundbedürfnisse des Menschen auch in Zukunft gestillt werden und größere Verteilungskonflikte ausgeschlossen sind. Problematisch ist an dieser vordergründig plausiblen Aufteilung, daß die vorhandenen Zielkonflikte zwischen den 3 Entwicklungselementen unerwähnt bleiben. Auf wissenschaftlicher Ebene im Vordergrund steht heute noch immer das Suchen nach geeigneten Kriterien und Indikatoren für Nachhaltigkeit. Solche Indikatoren sollten einfach zu erheben sein und gleichzeitig eine inhaltliche und räumlich umfassende, quasi globale Bedeutung besitzen. Fortschritte sind bezüglich Indikatoren der Umweltbelastung und dem Bemühen um das Festlegen von Umweltqualitätszielen gemacht worden. Ebenso wurden Konzepte zur Überwachung und Prognose von Umweltveränderungen im globalen Maßstab entwickelt. Ausgangspunkt und Bezug zu politischen Handlungen stellt dabei vor allem die Frage nach den möglichen Folgen einer Erwärmung der Erd-Atmosphäre (Klima, Klimaänderungen) dar. Die Entwicklung von ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeitskriterien und -indikatoren steht noch weitgehend in einer konzeptionellen Anfangsphase.

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