Lexikon der Biologie

Ökologie





Die Fragestellungen in der Ökologie werden vielfach anhand eines Schemas zunehmender Komplexitätsebenen erläutert. Eine solche Darstellung ist naturgemäß immer vereinfacht, erlaubt aber bis zu einem gewissen Grad darzustellen, welche hauptsächlichen und unterschiedlichen Arten von Fragestellungen jeweils untersucht werden (im folgenden basierend auf einer graphischen Idee von J.A. MacMahon et al. 1978):

Man kann im Prinzip einen linear aufsteigenden Ast von der molekularen und molekularbiologischen Analyseebene bis zum Individuum und weiter bis zur Betrachtung des Stoffhaushalts der Erde und seiner Veränderung im Verlaufe der Erdgeschichte darstellen (Ast unterhalb des Kästchens "Individuum" und rechter oberer Ast). Diese Betrachtung repräsentiert den energetisch-stofflichen Ansatz der Analyse, der in den Ebenen "unterhalb" des Individuums eher als physiologische Ausrichtung ausgeprägt ist, in den Ebenen "oberhalb" des Individuums eher als ökologischer Ansatz auf der Basis von Energiefluß und Stoffhaushalt. (Die in Klammern gesetzten Begriffe [Biochorion, Biome] sind eher selten oder für aquatische Systeme nicht anwendbar.)

Ein anderer Ansatz oberhalb des Individuums (mittlerer Ast "oberhalb" des Individuums) führt über Fortpflanzungseinheiten und Populationen zu den Lebensgemeinschaften (Biozönosen, "communities"), eine Hierarchie, die vor allem vom populationsbiologischen Ansatz der Ökologie geprägt ist (mittlerer oberer Ast der Darstellung). In diesem evolutionsökologischen Ast spielen Fragestellungen wie das Auftreten und Wirken von Evolution und Coevolution, d.h. wechselseitig bedingte Veränderungen im Laufe der Erdgeschichte, eine große Rolle.

Schließlich läßt sich in der Biologie ein phylogenetischer Ansatz erkennen (linker oberer Ast der Darstellung), der traditionell eher als Inhalt der Forschungsgebiete Systematik und Taxonomie betrachtet wird, aber gerade heute im Rahmen der Biodiversitätsforschung innig mit den übrigen Ästen verbunden ist. Die Vielzahl der Taxa ist eine Grundlage für die Vielfalt an Strukturen und Prozessen bei Populationsinteraktionen (mittlerer oberer Ast) und von Ökosystemen (rechter oberer Ast).

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