Lexikon der Biologie



Onkogene



Abb. 3: Aufnahme von Protoonkogenen in das Genom von Retroviren:

Zunächst integriert die DNA eines Retrovirus in der Nähe eines Protoonkogens in das Genom der infizierten Zelle. Durch Deletion rückt daraufhin die Provirus-DNA in die Nähe des Protoonkogens, wobei mehr oder weniger große 3'-terminale Bereiche des Provirus und 5'-terminale Bereiche des Protoonkogens verlorengehen. Das gemeinsame Transkriptionsprodukt des 5'-Anteils des Provirus und des Protoonkogens können schließlich zusammen mit intakter Virus-RNA in ein Virus-Partikel verpackt werden (jedes Retrovirus-Partikel enthält zwei RNA-Moleküle). Rekombination auf DNA-Ebene (bei einer späteren Infektion) kann dazu führen, daß das Protoonkogen in ein bislang intaktes Virus-Genom aufgenommen wird. Da bei dieser Rekombination wesentliche Teile des Virus-Genoms verlorengehen, kann die Vermehrung dieses Virus nur noch mit Hilfe anderer, intakter Retroviren erfolgen, die noch sämtliche für die Replikation und Verpackung der Virus-RNA notwendigen Funktionen codieren (Helfer-Viren). Wie die in das Virus-Genom integrierten Protoonkogene zu aktiv transformierenden viralen Onkogenen werden, ist nicht endgültig geklärt. Eine Möglichkeit ist, daß das Protoonkogen unter der Kontrolle des in der LTR-Region des Retrovirus befindlichen Promotors erheblich stärker transkribiert wird. Wellenlinien symbolisieren Wirts-DNA, AAA steht für das poly(A)-Ende der mRNA; LTR = Abk. für Long Terminal Repeat (LTR; Retroviren).

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