Lexikon der Biologie



Archicoelomatentheorie



Nach den Vorstellungen von R. Siewing (1976, 1980) sind aus archimeren (Archicoelomata, Trimerie) Vorfahren die rezent auch noch archimer gegliederten und folglich so benannten Archicoelomata hervorgegangen. Als Abzweigung von den Hemichordata werden die Chordata gedeutet, deren Segmentierung auf einer Metamerie des Metacoels beruht, deren ursprüngliche Formen aber noch Anklänge an Archimerie erkennen lassen. Durch Rückbildung der Archimerie und gleichzeitige Entwicklung der Spiral-Quartett-4d-Furchung (Spiralfurchung) sind die nach ihr bezeichneten Spiralia entstanden. Zu den Spiralia zählen neben den metameren Articulata (Gliedertiere) und Mollusca (Weichtiere) auch die Echiurida (Igelwürmer) und die Sipunculida (Spritzwürmer). Bei Plathelminthes (Plattwürmer), Nemertini (Schnurwürmer) und Kamptozoa (Kelchwürmer), die Siewing als Seitenzweige der Spiralia angesehen hat, kommt Spiralfurchung offenbar vor. Es bleibt aber nach Dohle (in Westheide & Rieger, 1996) noch unklar, inwieweit sie mit der Furchung der Annelida (Ringelwürmer) und Mollusca homologisiert werden kann. Die Pogonophora (Bartwürmer), die Siewing an der Wurzel der Spiralia ableitete, werden aufgrund neuer morphologischer und histochemischer Merkmale den Ringelwürmern zugeordnet. – Die Stellung der Chaetognatha (Borstenkiefer, Pfeilwürmer) ist ebenso ungeklärt, wie die Einordnung der Nemathelminthes (Schlauchwürmer) innerhalb der Bilateria Schwierigkeiten bereitet. Die Priapulida (Rüsselwürmer) werden als den Loricifera und Kinorhyncha nahe verwandte Nemathelminthes betrachtet.





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