{"title":"Parasitismus: Infobox I","body":"<STRONG>Parasitismus<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>Parasitogene Verhaltens&#228;nderungen im befallenen Wirt f&#246;rdern fast immer den &#220;bergang des Parasiten vom Zwischen- zum Endwirt. Letzterer ist h&#228;ufig ein Allesfresser (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/47721'>Omnivoren<\/A>) oder <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55762'>R&#228;uber<\/A>. Da R&#228;uber versuchen, bei der Jagd mit m&#246;glichst wenig Energieaufwand Beute zu machen, werden bevorzugt Tiere gejagt, die auff&#228;llig, verletzt, erkrankt oder geschw&#228;cht sind. Gro&#223;e Auswirkungen hat deshalb schon eine einfache<STRONG>,<\/STRONG> relativ unspezifische Verhaltens&#228;nderung (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/69292'>Verhalten<\/A>), eine Beeintr&#228;chtigung der Beweglichkeit und\/oder Ausdauer des Zwischenwirts, z.B. beim Befall von Fischen mit Larven von Vogel-Trematoden, deren Endwirt Kormorane sind, oder beim Trichinen-Befall (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67471'>Trichinen<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67473'>Trichinose<\/A>) von M&#228;usen, die so leichter von Katzen oder F&#252;chsen erbeutet werden. Trichinen beeintr&#228;chtigen au&#223;erdem die Orientierungs- und Lernf&#228;higkeit der M&#228;use. So erreicht auch der Einzeller <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67095'>Toxoplasma<\/A><I> gondii<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67097'>Toxoplasmose<\/A>) leichter den Endwirt Katze. Eine dritte M&#246;glichkeit &#8211; &#196;nderungen im Sozialverhalten &#8211; findet sich ebenfalls bei den Trichinen-Infektionen, aber viel eindrucksvoller bei der parasit&#228;ren Intersexualit&#228;t der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/72002'>Zuckm&#252;cke<\/A> <I>Chironomus<\/I> (vgl. Abb. 1). Hierbei wird u.a. das Sinnesorgan beeintr&#228;chtigt, das die Flugt&#246;ne perzipiert, so da&#223; infizierte Tiere nicht zu ihren Schw&#228;rmen finden, sondern am Rand des Gew&#228;ssers bleiben, in das der Wurm gelangen mu&#223;. &#196;nderungen des Verhaltens gegen&#252;ber Temperatur, Feuchtigkeit und Licht liefern spektakul&#228;rste Beispiele: das Festbei&#223;en der Ameisen, die mit Larven des Kleinen Leberegels infiziert sind, au&#223;erhalb des Nestes an Gr&#228;sern (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18014'>Dicrocoelium<\/A>), die Bevorzugung von Regionen mit offener Vegetation bei mit <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/39089'>Leucochloridium<\/A><\/I> infizierten Schnecken und vor allem die vielen &#196;nderungen bei Acanthocephalen-Befall (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/364'>Acanthocephala<\/A>; (vgl. Abb. 2) von Insekten oder Krebsen. Bei 3 Kratzer-Arten &#228;ndert sich die Reaktion der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25183'>Flohkrebse<\/A> entsprechend dem Jagdverhalten der jeweiligen Endwirt-Entenart (vgl. Abb. 3). Erh&#246;hungen der Anstechquote bei &#220;bertr&#228;gern von Krankheitserregern betreffen nicht die Beute-R&#228;uber-&#220;berg&#228;nge. Bei den Systemen Rattenfloh\/Pestbakterien (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/50484'>Pestfloh<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/50481'>Pest<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/71361'>Yersinia<\/A>), Schmetterlingsm&#252;cke\/Leishmanien (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/38727'>Leishmania<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/38729'>Leishmaniose<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44158'>Mottenm&#252;cken<\/A>), Tsetse-Fliege\/Schlafkrankheitserreger (<I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44427'>Muscidae<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67933'>Trypanosoma<\/A><\/I><I>,<\/I> <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/59362'>Schlafkrankheit<\/A>), M&#252;cke\/Malaria-Erreger (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/3746'>Anopheles<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/40827'>Malaria<\/A>) blockieren die Erreger entweder ganz oder teilweise das Saugrohr (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/58727'>Saugr&#252;ssel<\/A>) und werden u.a. so in die Anstichwunde gesp&#252;lt, oder sie h&#228;ngen sich an Sinneshaare, die dem Insekt die Blutgeschwindigkeit beim Saugen ermitteln, oder sie ver&#228;ndern die Zusammensetzung des Speichels, so da&#223; das Insekt beim Erkennen der Blutgef&#228;&#223;e Probleme hat. Neben diesen Parasiten-dienlichen Effekten finden sich aber auch gegen Parasiten gerichtete Verhaltens&#228;nderungen, z.B. das Aufsuchen h&#246;herer Temperaturen bei infizierten Ektothermen (z.B. Insekten, Fische und Reptilien), so da&#223; immunologische Reaktionen durch die nun erh&#246;hte K&#246;rpertemperatur &#8211; wie beim <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/24432'>Fieber<\/A> des Menschen &#8211; verbessert werden.G.Sch."}