Lexikon der Biologie

Pentastomiden



Viele Jahrzehnte war das "Pentastomiden-Problem" (Pro- oder Euarthropoden?) heftig debattiert. Als Ergebnis der Untersuchungen vor allem der Ontogenese präsentierte Osche (1963) eine vorsichtige schrittweise Argumentation: "höchstwahrscheinlich Euarthropoda (Mixocoel!), sehr wahrscheinlich Mandibulata, wahrscheinlich Antennata (= Tracheata)". Wingstrand (1972) stellte die starke Übereinstimmung der Feinstruktur der Spermien einer einzigen untersuchten Art von Pentastomiden mit der von Argulus (Branchiura, Fischläuse) fest und postulierte, daß die Pentastomiden nächstverwandt mit den Branchiura seien und also zu den Maxillopoda innerhalb der Crustacea (Krebstiere) gehörten. Inzwischen sind weitere Vertreter untersucht, und auch ein molekularer Stammbaum weist in diese Richtung. Manche sprechen deshalb von einem Triumph der vergleichenden, phylogenetisch orientierten Spermien-Forschung. – Diese zunächst überraschende Interpretation wird leichter verständlich, wenn wir uns bewußt machen, daß auch in manchen anderen Gruppen die Körpergestalt durch den Parasitismus zum Teil stark abgewandelt wurde, z.B. bei den Schnecken Enteroxenos und Paedophoropus oder bei verschiedenen Arthropoden, z.B. Haarbalgmilben, Robbenmilben, Achtheres und anderen Copepoda (Abb. 2, sie gehören ja auch zu den Maxillopoda). Manche Gallmilben zeigen auch eine von der Segmentierung unabhängige enge Ringelung, und Sacculina als bekanntester Vertreter der Rhizocephala verdeutlicht, wie stark ein Parasit vom normalen Bauplan abweichen kann. Während aber Sacculina mit der Ontogenese Nauplius → Cypris → Kentrogon ein Lehrbuch-Beispiel für Rekapitulation ist (mit dem Cypris-Stadium zeigt, daß sie zu den Cirripedia [Rankenfüßer] gehört), haben die Pentastomiden im Zusammenhang mit der "Emanzipation" vom Wasser auch das Nauplius-Stadium völlig reduziert.U.W.

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