Lexikon der Biologie

Pestizide



Pestizide und Ökosystem:

Wenn auch Pestizide die Ernteerträge vieler landwirtschaftlicher Kulturen und damit die Nahrungsversorgung sichern helfen, so sind doch Gefährdungen von Nahrungsketten und damit ganzer Ökosysteme belegt. Denn oft erreicht nur ein geringer Teil der ausgebrachten Substanzen tatsächlich den Schädling. Der weitaus größere Teil verteilt sich in den verschiedenen Umweltkompartimenten wie Boden, Luft (Atmosphäre), Wasser sowie in den pflanzlichen und tierischen Organismen. Ausbreitung und Vorkommen des jeweiligen Pestizids werden dabei sowohl von seinen physikalisch-chemischen Eigenschaften (z.B. Wasser-Löslichkeit, Flüchtigkeit, Persistenz/,Abbaubarkeit), aber auch von abiotischen und biotischen Faktoren des Ökosystems (z.B. Temperatur, pH-Wert, Nahrungsnetz) beeinflußt. Darüber hinaus sind Aufnahme-, Anreicherungs- (Anreicherungsfaktor)und Metabolisierungs- bzw. Abbaupotentiale der einzelnen Organismen mitbestimmend für die Transport-, Transformations- (Biotransformation) und Akkumulationsprozesse in den einzelnen Kompartimenten. – Unmittelbar betroffen von einer Belastung sind zunächst die Gebiete, in denen das jeweilige Pestizid zur Anwendung kommt. Es kann aber auch zu einer ubiquitären Verbreitung der Pestizide kommen. So konnten einzelne Pestizide schon weltweit im Wasser, Nebel, Regen, Boden und in der Atmosphäre, in den Industrieländern im Blut, in der Muttermilch und im Fettgewebe der dort lebenden Menschen, aber auch im arktischen und antarktischen Eis sowie im Fettgewebe von Eisbären gefunden werden. Eine starke Anreicherung von Pestiziden (bis zum 100.000 fachen Wert) in Organismen (Bioakkumulierung) und Nahrungsketten (Biomagnifikation) wurde beobachtet. Dies bedeutet eine besondere Gefährdung für die betroffenen Organismen und Ökosysteme. Pestizide wirken in den seltensten Fällen artspezifisch, und die Wirkungen lassen sich nicht auf den eigentlichen Zielorganismus beschränken. Beispiele für das Auftreten toxischer Effekte bei Nutzorganismen, wie z.B. die Bienentoxizität (Bienenschutz) vieler Pestizide, belegen das Gefährdungspotential für "non-target"-Organismen. Mit diesen direkten Effekten auf einzelne Organismen werden Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem induziert, die z.B. über Nahrungsnetze (Räuber-Beute-Beziehungen) wirksam werden.

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