Lexikon der Biologie

Pleistozän



Die Lebewelt des Pleistozäns


war der heutigen bereits sehr ähnlich. Seit dem Beginn des relativ kurzen Pleistozäns blieben viele Organismen-Gruppen fast oder gänzlich unverändert.



Pflanzen

Die Pflanzengesellschaften hat der mehrfache Wechsel von Kalt- und Warmzeiten im transalpinen Europa beträchtlich verarmt, weil sie durch die Ost-West-gerichteten Faltengebirge gehindert waren, sich ihm zu entziehen. Glazial unbeeinflußte Gebiete konnten dagegen ihren tertiären Floren-Charakter bewahren. Mit den Klimazonen verschoben sich auch die nun schärfer ausgeprägten Vegetationsgürtel. Während der (letzten) Kaltzeiten bestand in Mitteleuropa baumlose Tundra, der sich nach Süden die Region der Wälder anschloß; Warmzeiten bewirkten entsprechend Verschiebung der Gürtel nach Norden. Zu den arktisch-alpinen Pflanzengesellschaften der Tundra gehörten u.a. die buschförmig wachsende Polar-Weide (Salix polaris) und die Zwerg-Birke (Betula nana), ferner die Kleinblättrige Silberwurz (Dryas octopetala), nach der diese Gesellschaft „Dryasflora“ genannt wird (Dryaszeit). Den subarktischen Bereich charakterisierten Moor-Birke (Betula pubescens) und Wald-Kiefer (Pinus sylvestris). Mit zunehmenden Temperaturen fanden sich u.a. die Hainbuche, danach Eiche, Ulme, Linde, Ahorn (Ahorngewächse), Haselnuß und Erle ein. Der Gegenwart hat das Pleistozän zahlreiche Disjunktionen von Pflanzengesellschaften hinterlassen (Arealaufspaltung, Eiszeitrelikte, Glazialflora).



Tiere

Kennzeichnend für das Pleistozän ist das Vordringen arktischer Arten bis in den Mittelmeerraum in Kaltzeiten und von tropisch-subtropischen Tieren weit nach Norden während der Warmzeiten. In der Tierwelt spielten Säugetiere die bestimmende Rolle, vor allem Nager, Raub-, Rüssel- und Huftiere und neben ihnen der prähistorische Mensch (Paläanthropologie). – Die Hinterlassenschaft an Lemmingen (Lemmus), Wühlmäusen (Microtinae) und Murmeltieren (Marmota) lieferte gute Leitfossilien. Unter den Carnivoren gehört der Höhlenbär (Ursus spelaeus) zu den bekanntesten und bestbelegten ausgestorbenen Säugern überhaupt; er starb ebenso wie der Höhlenlöwe (Panthera leo spelaea) und die Höhlenhyäne (Crocuta crocuta spelaea, früher Hyaena spelaea) im Pleistozän aus, während der Wolf (Canis lupus) überlebte. Wärmegewohnte Nachzügler aus dem Tertiär wie Elefanten, Nashörner und Flußpferde haben im eiszeitbestimmten Teil Europas erstaunlich lange ausgehalten. Mammute, ausgehend vom ältestpleistozänen Mammuthus meridionalis, erreichten über Mammuthus trogontherii in Mammuthus primigenius perfekte Kälteanpassung. Der Waldelefant (Palaeoloxodon antiquus, früher Elephas antiquus) fand sich nur in den Warmzeiten in Mitteleuropa ein, um sich dann wieder nach Südeuropa zurückzuziehen. Verzwergte Nachkommen überlebten deshalb bis ins Holozän (Insel Tilos [Griechenland]). Von den 5 Nashorn-Arten (Dicerorhinus etruscus, „Dicerorhinus mercki“, Dicerorhinus kirchbergensis, Dicerorhinus hemitoechus und Coelodonta antiquitatis) überlebten die 3 letztgenannten noch bis ins Jung-Pleistozän, Coelodonta antiquitatis unter vollkommener Kälteanpassung. Das Flußpferd (Hippopotamus antiquus) breitete sich im Alt-Pleistozän ostwärts bis nach Thüringen und nordwestlich bis nach England aus, wo es noch in der Cromerwarmzeit nachgewiesen werden konnte. Zeugen kalten Klimas in Mitteleuropa waren Moschusochse (Ovibos moschatus) und Rentier (Rangifer tarandus). Rothirsch (Cervus elaphus) und Auerochse (Bos primigenius) waren Waldbewohner, der Bison (Bison bison) gilt artspezifisch als Bewohner von Wald oder Steppe. – Neuere Untersuchungen haben gezeigt, daß entgegen dem Anschein Warmzeit-Faunen im Pleistozän nicht verarmt sind. Aussterben, evolutive Umwandlung und Zuwanderung führten jedoch zu einer Modernisierung. Der Bestand von 87 Säugetierarten in der Tegelenwarmzeit stieg kontinuierlich bis auf 141 Arten im Eem-Interglazial an. Den Zuwachs brachten vor allem Nager und Fledermäuse. Das nördliche Mittelmeergebiet diente den Warmzeit-Faunen als Refugium (Eiszeitrefugien). Glazialfauna.

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