Lexikon der Biologie

Psychoneuroimmunologie



2: Methoden

Studien, in denen Funktionen des Immunsystems pharmakologisch oder neurophysiologisch massiv verändert werden, sind aus ethischen Gründen (Bioethik) nur am Tiermodell (Tierversuche) möglich. In Humanstudien konzentriert man sich in erster Linie auf Korrelations- und Interventionsstudien sowie auf Streß- und Konditionierungsexperimente (Konditionierung). Untersuchungen von Zusammenhängen zwischen psychischen Faktoren und immunologischen Veränderungen lassen allerdings keine kausalen Erklärungen zu, da Erleben und Verhalten einerseits sowie Immunfunktionen andererseits einander wechselweise beeinflussen können und beide Ebenen außerdem durch dritte Einflußgrößen, wie Ernährung, Lebensgewohnheiten oder Konsum von Drogen, determiniert sein können. Der Aussagewert von Interventionsstudien, in denen z.B. die Auswirkungen psychologischer Behandlungen auf Immunfunktionen und Krankheitsverläufe untersucht werden, ist häufig dadurch eingeschränkt, daß eine Parallelisierung von Behandlungs- und Kontrollgruppen nach allen therapeutisch relevanten Merkmalen kaum möglich ist. In Streßexperimenten kann hingegen unter standardisierten Bedingungen geprüft werden, welche Auswirkungen genau definierte Stressoren auf Immunfunktionen haben. Aus diesem Bereich liegen bisher besonders zahlreiche Untersuchungen vor. In Konditionierungsexperimenten mit Tieren (zumeist Ratten) injiziert man in der Regel eine immunkompetente Droge wie Cyclophosphamid als unkonditionierten Stimulus. Die unkonditionierten Reaktionen sind in diesem Fall Übelkeit und Immunsuppression. Der ursprünglich neutrale Reiz ist eine Saccharinlösung (Saccharin), die die durstig gehaltenen Tiere im zeitlichen Zusammenhang mit der Cyclophosphamidinjektion zu sich nehmen. Nach Abschluß der Konditionierung reagieren die Tiere auf die Saccharinlösung mit einer konditionierten Immunsuppression und zusätzlich mit einer konditionierten Geschmacksaversion. Überzeugende Ergebnisse aus Konditionierungsuntersuchungen am Menschen sind bisher allerdings nicht bekannt.

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