Lexikon der Biologie

Spermienkonkurrenz



Spermienkonkurrenz findet sich auch bei Säugern. Die Anpassung liegt hier jedoch darin, möglichst viel Sperma zu produzieren, um die Vaterschaftschancen zu erhöhen, falls sich die Weibchen innerhalb eines Ovulationszyklus (Oestrus) mit mehreren Männchen verpaaren (double-mating; Mehrfachkopulation, Spermienpriorität). So finden sich als Folge der vorhandenen Spermienkonkurrenz auch innerhalb der Primaten bei Arten mit promisker Paarungsstruktur und mehreren fortpflanzungsfähigen Männchen in derselben Gruppe (z.B. Schimpansen) größere Hoden, längere Penisse, mehr Ejakulat-Volumen und eine größere Spermienmenge als bei monogamen Arten (z.B. Gibbons). Die Größe des Penis, die mittelgroßen Hoden und die reichhaltige Menge an Ejakulat deuten auch beim Menschen auf ein soziokulturelles Milieu der Menschwerdung hin, in der Spermienkonkurrenz stattgefunden hat. Ein fakultativ polyandrisches Paarungsverhalten (Fortpflanzungssysteme) scheint das Sexualleben unserer weiblichen Vorfahren geprägt zu haben. Auch heutzutage findet double-mating im Gegensatz zum Geschlechtsverkehr mit dem konstanten Partner – der vorzugsweise außerhalb der fruchtbaren Tage stattfindet –, bevorzugt in den ±5 fruchtbaren Tagen um den Ovulationszeitpunkt (Empfängnisverhütung, Menstruation, Ovulation) statt, was auf eine auch heute noch bisweilen wirksame Spermienkonkurrenz beim Menschen hindeutet. Ein Selektionsvorteil für diese Form weiblicher Seitensprünge ist dann gegeben, falls eine unterschiedliche Durchsetzungsfähigkeit der Spermien zumindest zu einem gewissen Grad auf erblichen Unterschieden beruht.J.Be.

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