Lexikon der Biologie

Sprache



3: Sprachexperimente mit Menschenaffen:

Cathy und Keith Hayes versuchten in den 1950er Jahren am Yerkes Laboratory of Primate Biology, Atlanta, der Schimpansin Vicky Wörter beizubringen. Sie lernte aber nur, „Mama“, „Papa“, „cup“, „up“ zu sagen. Menschenaffen haben nicht den anatomischen Apparat, um menschliche Sprache zu erzeugen. – Beatrix und Allen Gardner begannen 1966 an der University of Nevada, Menschenaffen Gesten einer Gebärdensprache beizubringen, der American Sign Language (Abk. ASL). Mit Roger Fouts gelang es ihnen, die Schimpansin Washoe über 1000 Zeichen zu lehren, davon gebrauchte sie 200 unter verschärften Testbedingungen und schuf auch Innovationen wie „Wasser-Vogel“ für einen Schwan. Die Schimpansin Lucy bezeichnete einen Rettich mit „Schreien-Wehtun-Nahrung“. Washoe setzte die Zeichen auch Artgenossen gegenüber ein. So signalisierte sie einem Affen, als sie diesen von einer Schlange bedroht sah, „komm-Umarmung“ und zog ihm schließlich mit der Hand von der Gefahr weg, als er nicht verstand. Fragen stellte Washoe kaum mit Hilfe von Pronomen, sondern durch ein Hochziehen der Augenbrauen und durch lange Gebärden, ähnlich wie es Taubstumme tun. Washoe machte auch Zeichen zu sich selbst, wenn niemand anwesend war, wie versteckte Kameras dokumentierten. So kommentierte sie „schlecht, schlecht, schlecht“, als ein jugendlicher Schimpanse namens Loulis ihr ein Magazin wegnahm. Dieser lernte ASL nur durch Beobachtung anderer. Wenn es wichtig war, wurde auch die Syntax berücksichtigt. So machte es einen Unterschied, ob die Schimpansin „Washoe kitzeln Roger“ oder „Roger kitzeln Washoe“ signalisierte. – David Premack von der University of Pennsylvania versuchte, der Schimpansin Sarah beizubringen, zahlreiche bunte, verschieden geformte Plastikplättchen wie Wörter und kurze Sätze zu verwenden. Sie lernte zwar, Anweisungen wie „Sarah nehmen Banane wenn-dann Mary [die Pflegerin] nicht geben Schokolade Sarah“ erfolgreich auszuführen, doch blieb umstritten, inwiefern dies nicht bloß Dressur war. Denn Menschen lernten in ähnlichen Versuchen das richtige Verhalten, verstanden aber oft nichts. – Duane Rumbaugh und Sue Savage-Rumbaugh begannen in den 1970er Jahren an der University of Georgia in Atlanta mit Schimpansen und Bonobos mit Hilfe von Symbolen auf einer Computer-Tastatur (Lexigramme; vgl. Abb. 4) zu kommunizieren. Die Affen lernten mehrere hundert Zeichen und zeigten sprachliche Fähigkeiten wie ein 2,5jähriges Kind. – Nicht nur mit Schimpansen und Bonobos wurden Sprachexperimente gemacht. Francine Patterson von der Gorilla Foundation in Woodside (Calif.) lehrte das Gorilla-Weibchen Koko über 500 Zeichen in der Gebärdensprache ASL. Koko prägte auch neue Bedeutungen wie „Flasche-Streichholz“ für Feuerzeug und „Auge“ für Maske. Lyn Miles brachte an der University of Tennessee dem Orang Utan-Männchen Chatek über 150 ASL-Zeichen bei. Seit einigen Jahren wird auch versucht, mit Delphinen via visueller Symbole zu kommunizieren.

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