Lexikon der Biologie



Tropismus



Beim Geo- oder Gravitropismus ist die Kausalanalyse besonders weit fortgeschritten. Graviperzeption erfolgt nach der sog. Statolithenhypothese durch Statolithen-spezifisch schwere Partikel (meist Amyloplasten = Stärke-Statolithen) in pflanzlichen Zellen (Statocysten), die sich unter Schwerkraft-Einfluß verlagern und so zu einem differentiellen Druck auf Membranstapel des endoplasmatischen Reticulums führen. Es folgen Änderungen von Ionenströmen an Membranen, die mit Veränderungen in den elektrischen Eigenschaften des gravistimulierten Organs (sekundärer geoelektrischer Effekt) und einer Querverschiebung des polaren Transports von Auxin (= Wuchsstoff) verbunden sind und dadurch zu differentiellem Flankenwachstum führen (Cholodny-Went-Theorie): Folge ist eine Krümmungsbewegung des Organs. – Die Abb. zeigen die Vorgänge am Beispiel des negativen Geotropismus von Zebrina (Zebra-Ampelkraut). 1a normal orientierter Sproß, 2a Sproß horizontal gelegt, 3 Wiederaufrichten des Sprosses durch negativ geotropisches Krümmungswachstum in einem Sproßknoten. 1b Längsschnitt und 1c Querschnitt durch die Stärkescheide bei normaler Orientierung des Sprosses (1a); schwarz die Stärke-Statolithen. 2b Längsschnitt und 2c Querschnitt durch die Stärkescheide nach horizontaler Lagerung des Sprosses (2a). Die Verlagerung der Stärke-Statolithen unter Schwerkrafteinfluß läßt sich deutlich erkennen.

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