{"title":"Tumorsuppressorgene: Infobox II","body":"<STRONG>Tumorsuppressorgene<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>2: Beispiele identifizierter Tumorsuppressorgene:<\/STRONG><BR><\/BR><I>p105<\/I>-<I>RB:<\/I> Durch Untersuchungen an Patienten mit <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56453'>Retinoblastom<\/A> (Abk. RB)<STRONG>,<\/STRONG> einem malignen Tumor, der von der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46087'>Netzhaut<\/A> des Auges ausgeht, konnte ein Genlocus auf Chromosom 13 (13q14, RB-Locus) kartiert werden, in dem alle Betroffenen eine Ver&#228;nderung auf beiden <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/13958'>Chromosomen<\/A> tragen. Der RB-Locus, der durch Verwendung von Restriktions-Fragment-L&#228;ngen-Polymorphismus (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56563'>RFLP<\/A>) und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/13989'>chromosome walking<\/A> genauer eingegrenzt werden konnte, wird in eine 4,7 kb lange mRNA transkribiert und codiert f&#252;r ein Protein (p105-RB) mit 928 Aminos&#228;uren, das in fast allen Geweben exprimiert wird. Sp&#228;ter konnte gezeigt werden, da&#223; in allen untersuchten RB-Zellinien keine Expression von p105-RB stattfand und auch eine Vielzahl anderer Tumore inaktivierte RB-Allele enthielten. Es wird angenommen, da&#223; p105-RB die Zellproliferation supprimiert, zum Teil wahrscheinlich durch negative Regulation der Expression der Protoonkogene <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/14568'>c-myc<\/A> und c-fos (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25091'>Fos<\/A>). Die Aktivit&#228;t von p105-RB wird durch <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51290'>Phosphorylierungen<\/A> w&#228;hrend des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/71636'>Zellzyklus<\/A> gesteuert. Die aktive hypophosphorylierte Form tritt direkt nach der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43301'>Mitose<\/A> (Farbtafel) beim &#220;bergang in die G<SUB>1<\/SUB>-Phase auf, wogegen zu Beginn der S-Phase die am st&#228;rksten phosphorylierte Form von p105-RB vorliegt. Dementsprechend findet bei der Stimulation inaktiver <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/66831'>T-Lymphocyten<\/A> eine Phosphorylierung von p105-RB statt. Im Gegensatz dazu wird die Differenzierung h&#228;matopoetischer Zellen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9534'>Blutbildung<\/A>) von einer Dephosphorylierung des p105-RB-Proteins begleitet. Weiter besteht eine enge Korrelation zwischen dem Unverm&#246;gen, p105-RB zu phosphorylieren, und dem Verlust der Teilungsf&#228;higkeit von seneszierenden menschlichen Fibroblasten-Kulturzellen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/24391'>Fibroblasten<\/A>). &#8211; Auch bei der Ausl&#246;sung von Tumoren durch <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18877'>DNA-Viren<\/A> spielt p105-RB eine wichtige Rolle. So kann die hypophosphorylierte Form (und nur diese) von p105-RB an die transformierenden Proteine E1A das Adenovirus (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1012'>Adenoviren<\/A>) und das gro&#223;e <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/65390'>T-Antigen<\/A> des SV40 (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52953'>Polyomaviren<\/A>) binden. Diese Komplexbildung ist eine essentielle Voraussetzung f&#252;r die Transformation und findet an einer konservierten Dom&#228;ne statt, die bei vielen transformierenden Proteinen von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/69637'>Viren<\/A>, z.B. Polyomaviren, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9036'>BK-Virus<\/A> und menschlichen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/49265'>Papillomviren<\/A>, gefunden wird. Dieser Vorgang wird in der Art interpretiert, da&#223; die Komplexbildung mit den entsprechenden viralen Proteinen zu einer Inaktivierung von p105-RB f&#252;hren soll.<BR><\/BR><I>p53:<\/I> Das <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/53394'>p53-Protein<\/A> wird zur Zeit als bedeutendstes Tumorsuppressorgen betrachtet, weil die genetische Ver&#228;nderung des p53-Gens die h&#228;ufigste in der Entwicklung von Tumoren beim Menschen ist. P53 ist ein nukle&#228;res Phosphoprotein, das u.a. wahrscheinlich als Transkriptionsaktivator von Suppressorgenen der Zellproliferation fungiert. Erst k&#252;rzlich konnte gezeigt werden, da&#223; p53 sequenzspezifisch an ein menschliches DNA-St&#252;ck bindet, mutantes p53 jedoch nicht. Es scheint auch an der Kontrolle der Replikations-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34096'>Initiation<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56274'>Replikation<\/A>) durch <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18851'>DNA-Polymerase<\/A> &#945; beteiligt zu sein, weil es verhindert, da&#223; diese an das gro&#223;e T-Antigen des SV40 bindet und dadurch die SV40-Replikation blockiert. Weiter gibt es Hinweise, da&#223; p53 die Expression oder Funktion von c-myc inhibiert. Eine kurze Halblebenszeit des Proteins (6&#8211;20 Minuten) scheint ebenfalls von gro&#223;er Bedeutung f&#252;r die normale p53-Funktion zu sein. So ist p53 in allen Tumorzellen, soweit vorhanden, durch Mutationen oder Komplexbildung wesentlich stabiler (Halbwertszeit bis mehrere Stunden). Es wurde auch schon der seltene Fall einer dominanten p53-Mutation beobachtet. Dabei bindet das mutante p53-Protein an das Wildtyp-Protein und verursacht so dessen Inaktivierung. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, da&#223; 2 mit p53 eng verwandte Gene, <I>p63<\/I> und <I>p73,<\/I> ebenfalls im Rahmen der Tumorsuppression von Bedeutung sind. Das aktivierte p73-Gen kann, wie auch p53, den programmierten Zelltod (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4488'>Apoptose<\/A>) einleiten &#8211; einer der wichtigsten Mechanismen bei der Elmination von Krebszellen. Au&#223;erdem liegt p73 auf einem Chromosomenabschnitt, der bei Menschen mit Tumoren h&#228;ufig verloren gegangen ist.<BR><\/BR><I>NF1:<\/I> Durch Untersuchungen an Stammb&#228;umen von Familien, die von <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46176'>Neurofibromatose<\/A><\/I> Typ 1 (Abk. NF1, auch <I>Recklinghausen<\/I>-<I>Neurofibromatose<\/I>) betroffen sind, konnte ein Locus f&#252;r das NF1-Gen auf dem Chromosom 17 (17q11.2) identifiziert werden, der bei einer Vielzahl der betroffenen Individuen ver&#228;ndert ist. Er codiert f&#252;r ein Protein mit 2485 Aminos&#228;uren (mRNA mit 11&#8211;13 kb L&#228;nge), das eine signifikante <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/61125'>Sequenzhomologie<\/A> zu dem ras-GTPase-aktivierenden Protein (Abk. ras-GAP; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55693'>Ras-Proteine<\/A>) und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/29715'>GTPase-aktivierenden Proteinen<\/A> aus <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/31015'>Hefe<\/A> aufweist, die es zum Teil sogar komplementieren kann. Es wird deshalb vermutet, da&#223; NF1 wie ras-GAP ein Effektor oder Regulator von p21 ras ist. Das GTP-bindende Protein (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/29085'>G-Proteine<\/A>) p21 ras f&#252;hrt bei einer Akkumulation des Protein-GTP-Komplexes (p21 rasAGTP) zu einem Wachstumsstimulus, z.B. nach Inaktivierung der GAP bei der T-Zell-Aktivierung (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/40305'>Lymphocyten-Aktivierung<\/A>) durch <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/54150'>Protein-Kinase C<\/A>. Wie ras-GAP kann auch NF1 die GTP-Hydrolyse an p21 ras stimulieren und interagiert dabei mit der gleichen Dom&#228;ne wie ras-GAP. Beide Proteine, NF1 und ras-GAP, verm&#246;gen jedoch nicht die GTP-Hydrolyse an p21 ras, das in der Onkogenese stimuliert wird, zu f&#246;rdern. NF1, das ausschlie&#223;lich mit p21 ras interagiert, besitzt eine h&#246;here Affinit&#228;t zu der inaktiven Form von p21 ras (p21 rasAGDP), weshalb derzeit angenommen wird, da&#223; NF1 eher ein negativer Regulator von p21 ras ist und ras-GAP ein Effektor, der nach Inhibierung von NF1 mit p21 ras GTP einen Effektor-Komplex bildet und f&#252;r die anschlie&#223;ende Termination des Wachstumsstimulus verantwortlich ist.<BR><\/BR><I>DCC:<\/I> Das Akronym DCC steht f&#252;r &#8222;deleted in colon carcinomas&#8220;, weil eine Ver&#228;nderung oder ein Verlust des entsprechenden Genlocus h&#228;ufig in Colorektal-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/35546'>Karzinomen<\/A> zu finden ist. Es codiert f&#252;r ein Zelloberfl&#228;chenprotein, das ein Mitglied der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33806'>Immunglobulin-Superfamilie<\/A> ist und hohe Homologie zu neuralen Zelladh&#228;sionsmolek&#252;len (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1054'>Adh&#228;sine<\/A>) zeigt. Man nimmt daher an, da&#223; DCC an der Regulation des Zellverhaltens &#252;ber Wechselwirkungen mit anderen Zellen beteiligt ist und Verlust oder Inaktivierung folglich zu einer abnormalen Zellentwicklung f&#252;hrt.<BR><\/BR><I>WT1:<\/I> Komplexe genetische Ver&#228;nderungen sind die Ursache f&#252;r die Auspr&#228;gung des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/70782'><I>Wilms<\/I>-<I>Tumors<\/I><\/A>. Es gibt Hinweise, die f&#252;r eine Beteiligung mehrerer Tumorsuppressorgene, eines Gendosiseffekts oder dominanter Mutationen bei Ausl&#246;sung der Tumorbildung sprechen. Trotzdem konnte ein Tumorsuppressorgen identifiziert werden (11p13 oder WT1), dessen Ver&#228;nderung in vielen Wilms-Tumor-Patienten gefunden wird. Das WT1-Protein besitzt 4 Zink-Finger-Motive (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/71779'>Zink-Finger-Proteine<\/A>) und ist deshalb sehr wahrscheinlich ein Transkriptionsfaktor, der gewebsspezifisch und nur in bestimmten Entwicklungsstadien exprimiert wird. Schon die Deletion eines der 4 Zinkfinger hat, trotz gleichzeitiger Anwesenheit eines intakten Allels, die Bildung eines Tumors zur Folge.<BR><\/BR><I>APC:<\/I> Das APC-Gen (nach <I>Adenomatosis <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/53001'>Polyposis<\/A><\/I><I> coli<\/I>) ist das bei Darmtumoren, vor allem Tumoren des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/17959'>Dickdarms<\/A>, am h&#228;ufigsten mutierte Gen. Solche Mutationen wurden zuerst in Tr&#228;gern der famili&#228;ren adenomat&#246;sen Polyposis entdeckt, einer <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/22086'>Erbkrankheit<\/A>, bei der Dr&#252;sengewebe vor allem des Dickdarms zahlreiche Polypen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/977'>Adenome<\/A>) ausbildet, aus denen sich Karzinome bilden und die Entfernung des gesamten Dickdarms notwendig machen. Bei nicht erblich bedingten Darmtumoren ist APC offenbar das erste Gen, das im Verlauf der Krebsentwicklung mutiert. In funktionsf&#228;higem Zustand kontrolliert das APC-Gen das Onkogen c-myc. Das mutierte APC-Gen ist f&#252;r die krebsverursachende Aktivit&#228;t des c-myc verantwortlich. Weitere Faktoren der Krebsentstehung k&#246;nnen die Aktivierung des Protoonkogens ras sowie die Inaktivierung weiterer Tumorsuppressorgene wie DCC und p53 sein. Die Bedeutung von APC liegt in der Bindung seines Genprodukts an &#945;- und &#946;-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/12484'>Catenin<\/A> sowie an <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68009'>Tubulin<\/A>. Vor allem &#946;-Catenin hat, neben seiner Rolle bei der Verbindung von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/11506'>Cadherinen<\/A> mit <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/798'>Actinfilamenten<\/A>, eine Funktion bei der Expression verschiedener Gene. Aktives APC bewirkt eine Verminderung der intrazellul&#228;ren Konzentration an &#946;-Catenin und damit eine verminderte Expression der entsprechenden Gene. Bei Tubulin bewirkt APC eine Zusammenlagerung zu <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43021'>Mikrotubuli<\/A> und die Ausbildung von Ger&#252;ststrukturen, die eine Zellteilung erschweren.<BR><\/BR><I>PTEN:<\/I> Das PTEN-Gen (benannt nach phosphatase and tensin homolog deleted on chromosome 10), auch MMAC1 (mutated in multiple advanced cancers) genannt, liegt auf dem 10. Chromosom. Die Aminos&#228;uresequenz des Proteins, f&#252;r das dieses Gen codiert, hat &#196;hnlichkeit mit <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68220'>Tyrosin-Phosphatasen<\/A> und Tensinen. Beim Vergleich der DNA gesunder mit der von krebsartig ver&#228;nderten Zellen fanden sich deutliche Unterschiede: in vielen F&#228;llen von besonders aggressiven Hirntumoren fehlte das Gen f&#252;r den Tumorsuppressor ganz. Auch im Zusammenhang mit Prostata-, Brust- und Nierenkrebs hat man im Gen f&#252;r den Tumorsuppressor Mutationen gefunden.<BR><\/BR>Weitere Kandidaten f&#252;r Tumorsuppressorgene sind <I>myoD,<\/I> der <I>&#945;<SUB>5<\/SUB>&#946;<SUB>1<\/SUB><\/I>-<I>Fibronektin<\/I>-<I>Rezeptor<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34255'>Integrine<\/A>)<I><STRONG>,<\/STRONG><\/I> p27 und <I>K<\/I>-<I>rev<\/I>.J.S.\/M.B.\/S.Kl."}