Lexikon der Biologie

Wanderheuschrecken



Ein Vergleich von Heuschrecken der solitären und gregären Phase am Beispiel der Wüstenheuschrecke Schistocerca gregaria ergibt folgendes Bild: Die solitäre Form durchläuft 6 grüne Larvenstadien, das Adultstadium ist braun-beige gefärbt. Die gregäre Form hat nur 5 schwarze oder schwarzgelbe Larvenstadien; die unreifen Adulttiere sind rosagrau gefärbt, schlagen jedoch beim Erreichen der Sexualreife in intensives Gelb um. Solitäre Heuschrecken sind durchwegs größer, und die Weibchen produzieren eine größere Anzahl von Eikokons mit mehr Eiern als gregäre. Die solitäre Form zeigt nachtaktives Verhalten und lebt tagsüber einzeln und versteckt. Die gregäre Form ist ausschließlich tagaktiv und bildet bereits während der Larvenstadien Gruppen, die sich im Adultstadium zu Schwärmen entwickeln.

Die Flugleistungen von Heuschrecken während einer Wanderung wurden bisher erheblich unterschätzt: In West-Afrika gibt es innerhalb der Tiefdruckzone ost-westliche Windströmungen, die bis zum Atlantik reichen. Schwärme aus der südlichen Sahara-Sahelregion wurden 1988 durch diese Winde aufgrund eines riesigen Tiefs über dem Atlantik auf das Meer verfrachtet. 5 Tage später erreichten die Heuschrecken nach pausenlosem Flug die Insel Trinidad vor dem südamerikanischen Kontinent, 3800 km vom westafrikanischen Festland entfernt.

Zuweilen kommt es zu Schwärmen von ungeheuren Ausmaßen (Wanderheuschrecken: Abbildung II): Eine Heuschreckenplage 1954 in Kenia umfaßte 50 Schwärme von 1–200 km2 Größe, die eine Fläche von 1000 km2 bedeckten. Bei einer Dichte von 50 Heuschrecken/m2 wurden 5A1010 (50 Milliarden) Heuschrecken berechnet, was einer Biomasse von ca. 100.000 Tonnen entspricht. Da adulte Heuschrecken pro Tag ihr eigenes Körpergewicht von 1–3 g Vegetation verzehren, richten die Schwärme verheerende Schäden an. Bereits die Bibel berichtet über Heuschreckenplagen, während in Mitteleuropa noch im 17. und 18. Jahrhundert Wanderheuschrecken Hungersnöte verursachten.

[Drucken] [Fenster schliessen]