Lexikon der Biologie

Wirt



Man unterscheidet verschiedene Wirtstypen: der Hauptwirt ist der bevorzugte Wirt, der für den Parasiten optimale Entwicklungsbedingungen bietet. In einem Nebenwirt dagegen sind die Lebensbedingungen schlechter, die Entwicklung des Parasiten läuft häufig nur unvollständig ab. Von einem Fehlwirt spricht man, wenn in diesem keine Lebensmöglichkeit besteht, während ein paratenischer Wirt zwar ein Überleben, aber keine Entwicklung ermöglicht. Die Entwicklung vieler Parasiten verläuft mit einem Wirtswechsel und einem Generationswechsel innerhalb des Entwicklungszyklus. Ein besonderes Problem für den Parasiten stellt die Wirtsfindung dar. Manche Ektoparasiten leben in der unmittelbaren Umgebung des Wirts an dessen Brut-, Schlaf- oder Wohnplätzen, z.B. Flöhe und Wanzen, oder orientieren sich an optischen oder chemischen Reizen. Auch der Befall neuer Wirte über den fäkal-oralen Weg ist häufig. Endoparasiten wie Viren, Bakterien oder Pilze werden teilweise über Tröpfcheninfektion oder mit Staub oder Atemluft vom Wirt aufgenommen. Häufig ist auch die Weiterverbreitung durch Blut saugende Vektoren. Der Wirt bildet oft spezielle Abwehrstrategien gegen seine Parasiten aus. Hierzu gehören unspezifische Mechanismen wie humorale Abwehr, z.B. durch Lysozym, das Bakterienwände auflösen kann, und zelluläre Abwehr durch phagocytierende Zellen (Phagocytose). Spezifische Mechanismen setzen erst nach vorangegangenem Kontakt mit dem betreffenden Parasiten ein und benötigen einige Zeit bis zu ihrer Wirksamkeit (Resistenz). In manchen Fällen werden beim Versagen anderer Mechanismen die lebensfähig bleibenden Parasiten auch vom Wirt abgekapselt. Dies ist u.a. bei Muskel-Trichinen der Fall. Im Gegenzug haben die Parasiten allerdings Mechanismen entwickelt, welche die Abwehr des Wirts erschweren oder verhindern.

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