Lexikon der Biologie



Bewußtsein bei Tieren



Einige Tiere, vor allem Menschenaffen, zeigen kognitive Leistungen, die Menschen nur bewußt vollbringen können (Begriffsbildung), wie z. B. Selbsterkennen im Spiegel, komplizierte Manipulationen, Lösen schwieriger Probleme oder das Planen längerer Handlungsketten, und sie benutzen bei diesen Leistungen dieselben Hirnstrukturen wie Menschen, z. B. den präfrontalen Cortex. Es ist deshalb berechtigt, diesen Tieren bestimmte, mit diesen Leistungen zusammenhängende menschliche Bewußtseinsformen zuzusprechen. Allerdings ist unser Bewußtsein stark sprachlich (Sprache) überformt. Bemerkenswerterweise entwickeln sich beim Kind die typisch menschlichen Bewußtseinsformen, z. B. selbstreflexives Bewußtsein, parallel zur syntaktischen Sprache, die allein der Mensch zeigt. Untersuchungen an sog. Split-Brain-Patienten (Split-Brain) mit durchtrenntem Balken zeigen, daß die (bei den meisten Menschen) sprachunfähige rechte Hemisphäre keine komplexeren logischen Operationen ausführen kann, was einer impliziten Informationsverarbeitung ähnlich ist. Entsprechend wurde gefolgert, daß Primaten "zwei rechte Hemisphären" besitzen. Allerdings ist das Gehirn eines Schimpansen der rechten Hemisphäre eines Split-Brain-Patienten weit überlegen. Es mag sein, daß beim Menschen die rechte Hemisphäre durch die Entwicklung der Sprachfähigkeit in der linken Hemisphäre kognitiv verarmt ist.





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