Lexikon der Biologie



Zum Tierschutz



Moderne Tierrechtler wollen Tiere voll in die Normen des menschlichen Zusammenlebens einbeziehen. Sie halten jede verbrauchende Nutzung von Tieren und Tierprodukten für unethisch. In letzter Konsequenz ist die Tierrechtsidee weder praktikabel noch ethisch stringent zu begründen. In der realen Welt kann es nicht darum gehen, das Töten von Tieren für menschliche Zwecke zu verbieten. Das Anliegen der Tierschutzpraxis zielt vielmehr darauf ab, ungerechtfertigtes Töten und (vor allem!) jede Form von Tierquälerei zu verhindern. Diesem Zweck dienen auch die Mindestnormen für den Tierschutz in der EU. Bis Ende 1999 müssen alle Mitgliedstaaten eine neue EU-Richtlinie mit Mindestnormen für den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere in ihr nationales Recht übertragen. Die EU-Regelung beschränkt sich weitgehend auf allgemeine Grundsätze wie die Bewegungsfreiheit der Tiere, bauliche Anforderungen oder die regelmäßige Versorgung und Kontrolle der Bestände. Vorgesehen ist ferner eine Aufzeichnungspflicht für alle tiermedizinischen Behandlungen. Diese allgemeinen Vorgaben werden durch technische Regelungen für einzelne Tierarten ergänzt, zum Beispiel den Vorschlag für den Schutz von Legehennen (Massentierhaltung). Die neue Tierschutzrichtlinie hatte für schwierige Beratungen im EU-Ministerrat gesorgt, weil Frankreich und einige andere EU-Länder gleichwertige Verpflichtungen von Drittländern verlangen, die Fleisch und andere tierische Erzeugnisse in die EU liefern. Dieser Streitpunkt wurde zuerst ausgeklammert, um neue Auseinandersetzungen in der Welthandelsorganisation zu vermeiden. Die Kommission soll jedoch bis Mitte 1999 einen ergänzenden Bericht und gegebenenfalls weitergehende Vorschläge unterbreiten.





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